Handball-Gladiatoren im Kampf um den europäischen Titel

Mitte dieses Monats fängt in Polen die 12. Handball-EM an. Auf die Handball-Fans warten 15 Tage voller Genuss und Spannung, weil man weiß, dass die besten Handballteams aus Europa kommen. Das bedeutet, dass wir keinerlei klare Favoriten-Außenseiter-Spiele sehen werden, so wie es der Fall bei den Weltmeisterschaften ist, bei denen auch viele „exotische“ Nationalteams teilnehmen. Nach Polen kommen nämlich nur ausgewählte Teams, die aus 16 sehr starken Mannschaften gebildet werden. Die Teams sind in vier Gruppen eingeteilt. Man muss auch sagen, dass alle Handball-Weltmächte dabei sein, weil keiner der Großen in den Qualifikationen irgendwelche Fehler gemacht hat.

Frankreich ist der Titelverteidiger, aber auch der größte Favorit?

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Die Geschichte des französischen Handballs ist schon alt und viele Male erzählt worden, aber dies ist nicht verwunderlich, da die Franzosen eine ganze Handball-Ära gekennzeichnet haben. Es ist kaum vorstellbar, dass irgendein Team je so viele Titel in nächster Zukunft holen wird. Sie kommen zu jedem Turnier als die klaren Favoriten, obwohl ihnen immer wieder der freie Fall nach unten prognostiziert wird, weil das Team in die Jahre gekommen ist. In Wahrheit versuchen sie ihr Team zu verjüngen, aber allem Anschein nach, stört sie diese Verjüngungskur gar nicht beim Holen weiterer Titel. Momentan halten sie sowohl den olympischen als auch den europäischen als auch den Welt-Titel in ihren Händen. Letztes Jahr haben sie bei der WM in Katar den WM-Titel geholt und zu dieser EM kommen sie mit der gleichen Besatzung wie in Katar. Einzeln gesehen haben sie eine sehr starke Mannschaft und zwar auf allen Positionen. Angeführt werden sie natürlich vom übermächtigen N. Karabatic und man muss schon sagen, dass sie eine felsenfeste Abwehr haben und zurecht die größten Favoriten auf den Titel sind.

Dänemark, Spanien, Polen und Kroatien sind auf der Jagd nach der Tricolore

Diese vier Nationalteams können berechtigterweise hoffen, dass sie Frankreich vom Thron stoßen können. Wir haben nicht zufällig zuerst Dänemark erwähnt, weil die Dänen seit Jahren an der Spitze sind und dazu noch zwei EM-Titel geholt haben. Sie werden ihren schnellen Handball aufziehen, den man kennt, und bei dem es sehr viel um das gesamte Kollektiv geht. Angeführt werden sie vom fantastischen Torschützen Mikkel Hansen, der sowohl der erste Star der Dänen ist als auch ihr größter Hoffnungsträger. Die Spanier sind auch immer unter den Favoriten, aber bisher kamen sie zu keinem EM-Titel, weil sie meistens bei der EM ein wenig versagen. Sie kommen zur EM mit einer sehr starken Mannschaft und es ist schwer irgendeinen Spieler hervorzuheben, aber wir sollten schon den Torwart Sterbik, den mittleren Außenspieler Canellas und den Kreisläufer Aginagalde erwähnen. Man kann von den Spaniern erwarten, dass sie einerseits eine gute Abwehr spielen werden und andererseits über die Flügel sehr viel angreifen werden. Die Polen haben wir zu diesen vier Teams hinzugenommen, weil sie die Gastgeber sind, aber wir sollten nicht vergessen, dass sie bei der letztjährigen WM im Halbfinale mitgespielt haben. Bisher haben sie nur ein WM-Finale bestritten und zwar vor ca. zehn Jahren, aber diesmal haben sie die große Unterstützung von den Tribünen. Andererseits könnte sich diese große Unterstützung als kontraproduktiv herausstellen, weil sie gleichzeitig unter großem Druck stehen. Zu ihrem Glück ist ihr Team sehr erfahren. Sie werden vom Trowart Szmal, Kreisläufer B. Jurecki und den fantastischen Außenspielern M. Jurecki, K. Lijewski, Jurkiewicz und Jaszka angeführt. Und zuletzt bleiben noch die Kroaten, die weiterhin zur Weltelite gehören, aber auch in Spielform leicht nachgelassen haben. Bei ihnen kann man nicht sagen, dass sie die Titelanwärter sind, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie große Angst vor Franzosen haben. Trotzdem muss man sagen, dass die Kroaten sehr konstant sind, da sie bei keinem der letzten großen Wettbewerbe unter dem sechsten Platz gewesen sind. Sie werden vom mittleren Außenspieler Duvnjak angeführt, aber die sehr starke Abwehr angeführt vom Torwart Alilovic darf man auch nicht vergessen.

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Die anderen Teams warten auf ihre Chance aus der zweiten Reihe

Die restlichen elf Teams können kaum zum Titel kommen, aber einige von ihnen werden uns sicherlich positiv überraschen. Positiv auffallen sollten Schweden und Island, da beide Teams einige fantastische Einzelspieler haben und dazu noch ein sehr gutes Kollektiv, sodass wir davon ausgehen können, dass sie sehr unangenehme Gegner sein werden. So ähnlich ist es mit den Ungarn, die immer wieder bis ins Viertelfinale oder gar Halbfinale vorstoßen. Die deutsche Nationalmannschaft wäre auch hoch quotiert, gäbe es nicht so viele verletzungsbedingte Ausfälle, aber wir sollten trotzdem Deutschland nicht unterschätzen, weil dieses sehr intakte Kollektiv immer wieder positiv auffällt. Die Slowenen könnten uns am positivsten überraschen, weil sie eine gute Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern haben. Russland und Serbien sehen auf dem Papier ziemlich mächtig aus, aber auf dem Platz liefern sie meistens keine allzu gute Leistung ab. Und als die letzte vielleicht positive Überraschung sollten wir noch das mazedonische Nationalteam erwähnen, das in seinen Reihen den legendären Kiro Lazarev hat, aber man muss auch sagen, dass seine Mitspieler mit ihm kaum mithalten können, sodass bessere Ergebnisse eher Mangelware sind. Norwegen, Weißrussland und Montenegro bekommen die Außenseiterrollen und sogar das Überstehen der ersten Spielphase wäre eine faustdicke Überraschung.