DEUTSCHLAND

Die aktuellen Weltmeister wollen in Frankreich die doppelte Krone holen und wollen genau dies wiederholen, was die Spanier in letzter Zeit erreicht haben und zwar beide größte Trophäen gleichzeitig in den Vitrinen zu haben. Die Deutschen sind sich selber bewusst, dass dies nicht leicht sein wird, aber wenn das jemand schaffen kann, dann sind das gerade sie mit wirklich vielen brillanten Spielern in ihren Reihen. Diese Nationalmannschaft nahm an allen großen Wettbewerben seit 1972 teil und sie erlauben sich wirklich keine Patzer in Qualifikationen und zählen zu den Teams, die als erste und völlig problemlos die Platzierung erreichen. In den Qualifikationen für diese Meisterschaft war es allerdings nicht so und sie hatten mit einigen Problemen zu kämpfen, vor allem am Anfang, als sie einen knappen Sieg gegen Schottland verbucht haben, wonach sie eine Niederlage von Polen einstecken mussten und ein Remis gegen die Republik Irland eingefahren haben. Damals gingen die Alarmglocken an und die Deutschen konnten sich einigermaßen aufraffen und somit letztendlich Tabellenführer sein, wobei das diesmal nicht so ganz überzeugend war wie sonst. Man muss schon sagen, dass sie mit vielen verletzungsbedingten Problemen und Ausfällen der Spieler zu kämpfen hatten, wenn das überhaupt eine Rechtfertigung sein kann, da man weiß, wie viele gute Spieler ihnen zur Verfügung stehen. Den letzten Europameistertitel holten sie 1996 und vor vier Jahren waren sie drittplatziert. Jetzt sind ihre Gegner Gastgeber dieser Meisterschaft und die Polen haben ihnen schon in den Qualifikationen gezeigt, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Die Ukrainer sind ähnlicher Qualität, Nordirland ist objektiv viel schwächer und es ist demnach klar, dass die Deutschen Tabellenführer in dieser Gruppe sein sollten.

Nationaltrainer: Für den 56-jährigen Joachim Löw ist dies der fünfte große Wettbewerb auf der Trainerbank der Nationalelf und bis jetzt machte er keinen Schritt in die falsche Richtung. Von Deutschland erwartet man natürlich immer den Meistertitel, was allerdings nicht ganz real ist und dann sieht man sich ihre Gesamtleistung an und Löw wurde mit der Nationalelf nie vor dem Halbfinale eliminiert, was wirklich brillante Ergebnisse sind. Genau sie halten Löw schon seit fast zehn Jahren auf der Trainerbank und wenn sie jetzt einen neuen Titel holen würden, könnte er auch dieses Jubiläum feiern. Die Deutschen waren in zwei Europameisterschaften unter der Anführung von Löw zuerst zweitplatziert und dann drittplatziert und in zwei Weltmeisterschaften drittplatziert, wonach sie vor zwei Jahren den Weltmeistertitel in Brasilien geholt haben. Bevor er auf die Trainerbank geholt wurde, war Löw Assistent des damaligen Nationaltrainers Jürgen Klinsmann, von dem er viel lernen konnte und von dem er die Nationalmannschaft auch übernommen hat, die in der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland keinen Titel holen konnte. Jetzt ist das Ziel von Joachim Löw sein erster Europameistertitel auf der Trainerbank der Nationalelf.

Spielsystem und Spielerkader: Es ist wirklich schwer vom Spielsystem zu schreiben, wenn es um Deutschland geht, denn sie können absolut alles spielen, angesichts der Zahl der Spieler und der Qualität, die sie besitzen. Irgendwie wird allerdings immer das klassische 4-3-2-1 gespielt, wobei man schon erwähnen muss, dass Deutschland vielleicht am meisten Probleme gerade mit der echten Spitze hat und nur Mario Gomez ist eigentlich eine echte Spitze, ein Torjäger. Es klingt ein bisschen seltsam, dass dies ein Problem ist, aber als die anderen Stürmer sind Podolski, Götze, T. Müller und Schürrle gemeldet, die eigentlich mehr Außenspieler oder offensive Mittelfeldspieler sind. Vielleicht konnten sie auch deswegen in den zwei Qualifikationsduellen keinen Treffer erzielen, was den Deutschen wirklich sehr selten passiert. Wenn der Angriff ein kleines Problem ist, dann sind sie im Mittelfeld wirklich sehr stark, abgesehen von den verletzungsbedingten Problemen und der Tatsache, dass sie auf einige Spieler verzichten müssen. In der Abwehr sind sie ebenfalls sehr stark, wobei niemand solche Torhüter hat, so dass Kevin Trapp aus PSG nicht auf der Liste steht. Es wurden auch Zieler und aus dem Mittelfeld Kramer und Gündogan und auch Volland von den offensiveren Spielern nicht eingeladen. Löw hat diesmal ganz mutig einige junge Spieler wie Kimmich, L. Sane, Weigl und Brandt eingeladen.

Voraussichtliche Aufstellung: Neuer – Höwedes, J. Boateng, Hummels, Hector – Khedira, T. Kroos – T. Müller, Özil, Reus – Gomez

Vorhersage: Es gibt objektiv keinen größeren Favoriten für den Meistertitel. Es gibt natürlich noch einige Nationalmannschaften, die es bis zum Ende schaffen können und den Deutschen einen Strich durch die Rechnung ziehen und zwar sind das vielleicht die Gastgeber Frankreich, das in Fahrt gekommene England oder vielleicht wachen ja die Spanier wieder auf. Nach einer Chance lauern auch Italien und Belgien, aber die Deutschen wirken, als wären sie wirklich am besten vorbereitet und sie sind ja nach dem Weltmeistertitel vor zwei Jahren so richtig in Fahrt gekommen. Wenn sie diesmal den Titel nicht holen, werden sie sicherlich wenigstens ins Halbfinale einziehen.