SPANIEN

Der aktuelle Europameister Spanien könnte in dieser Meisterschaft sogar ein großes Enigma sein, denn es scheint, dass die goldenen Tage dieser Nationalmannschaft dennoch Vergangenheit sind und jetzt steht die Phase bevor, in der sich eine Generation verabschieden könnte, die ja sowieso schon alles gewonnen hat. Nachdem sie drei Titel in Folge in großen Wettbewerben geholt haben, nämlich einen Weltmeister- und zwei Europameistertitel, folgte ein Debakel in der WM in Brasilien, wo sie schon in der Gruppenphase ausgeschieden sind. Für einige Spieler war dies ein Zeichen, sich von der Nationalmannschaft zu verabschieden, aber es folgten keine zu großen Änderungen und auf der Trainerbank blieb letztendlich auch der gleiche Nationaltrainer. In diesen Qualifikationen hatten sie eigentlich eine sehr leichte Gruppe und da durften sie nichts verpatzten, was sie ja auch nicht gemacht haben, abgesehen von der unerwarteten Auswärtsniederlage in der zweiten Runde von Slowakei. Sie haben sich danach einigermaßen erholt und verbuchten neun Siege neben dieser genannten Niederlage und kassierten insgesamt drei Gegentore, alles in den ersten zwei Runden. Sie brillierten nicht in allen neun Siegen, denn z.B. gegen die Ukraine quälten sie sich, um letztendlich einen 1:0-Sieg zu verbuchen. Die Slowakei war letztendlich der erste Verfolger von Spanien und hinter ihnen blieben die Ukraine, Weißrussland, Luxemburg und Mazedonien. Dies ist ihr zehnter Jubiläumsauftritt in Europameisterschaften und sie holten insgesamt drei Titel, davon zwei bei den letzten zwei Auftritten und sicherlich wollen sie einen Hattrick, wobei es allerdings fraglich ist, ob sie dafür die nötige Kraft besitzen.

Nationaltrainer: Mit seinen 65 Jahren zahlt Vicente del Bosque zu den ältesten Nationaltrainern, wobei er allerdings zugleich zu den erfolgreichsten Experten der Welt zählt, vor allem, wenn von Nationalmannschaften die Rede ist. Er besetzte die Trainerbank der Furia nicht, als sie der Meistertitel in der EM 2008 geholt haben, aber dafür war er Nationaltrainer der Spanier, als sie zwei Jahre später den Weltmeistertitel in Südafrika und 2012 den zweiten Europameistertitel geholt haben. Er wurde dank den zwei geholten Titeln dermaßen begehrt, dass er auch nach dem Debakel in Brasilien in der WM vor zwei Jahren nicht gefeuert wurde. Die Erfolge mit dieser Nationalmannschaft sind allerdings nicht die einzigen in seiner Karriere, denn del Bosque holte mit Real Madrid zwei Titel in der Primera, zwei Trophäen in der Champions League, einen Titel im spanischen und einen im europäischen Superpokal und den Weltpokaltitel. Als Spieler gewann er mit Real neun Trophäen und bekam eine ganze Reihe individueller Anerkennungen für seine Trainererfolge, sowohl in Sportvereinen, als auch in Nationalmannschaften. Er besitzt wirklich sehr beneidenswerte Erfahrung und kennt sicherlich sehr gut alle spanischen Spieler, wird dennoch kritisiert, da er einige Spieler nicht eingeladen hat.

Spielsystem und Spielerkader: Die Spanier können natürlich in allen Formationen spielen und zwar gleich gut, aber meistens ist das 4-3-3, was sehr oft täuschen kann, denn del Bosque lässt oft eine Aufstellung ohne eine echte Spitze auflaufen, obwohl die Formation gleich aussieht. Obwohl del Bosque Spieler und Trainer in Real war, ähnelt das Spiel der Spanier am meisten dem Spielstil von Barcelona, aber die Formation ist gleich. Zumindest war es bis jetzt so, aber eine Rechtfertigung könnte auch die Tatsache sein, dass ihre drei Mittelfeldspieler seit langer Zeit Mittelfeldspieler gerade in Barcelona waren. Jetzt spielen in dieser Nationalmannschaft nur fünf Spieler aus Barcelona und nur drei aus Real Madrid, die allerdings nicht zu der Startaufstellung zählen. Auf der Liste fehlten einige wichtige Spieler, so dass Stürmer D. Costa und P. Alcacera nicht dabei sein werden und nur Morata und Aduriz als echte Spitzen auflaufen können. Dafür gibt es im Mittelfeld wirklich zu viele Spieler und viele davon sind Spitzenspieler, aber es können ja nicht alle auflaufen, wobei es in der Abwehr wahrscheinlich die meisten Dilemmas gibt. Außer den genannten Stürmern, wurden auch Mittelfeldspieler Mata und Cazorla nicht eingeladen, der zweite gerechtfertigt, weil er ja eine längere Zeit lang verletzungsbedingt nicht auflaufen konnte.

Voraussichtliche Aufstellung: de Gea – Carvajal, Pique, Ramos, Jordi Alba – Fabregas, Busquets, Iniesta – Pedro, Aduriz, Nolito

Vorhersage: Man könnte sogar sagen, dass all dies auf dem Papier nicht gerade stark aussieht, wobei man schon bedenken muss, dass es da viele Optionen gibt, aber auch Spieler auf der Ersatzbank, die den Verlauf jedes Duells ändern können. Vielleicht entscheidet sich del Bosque letztendlich auch für eine andere Formation und andere Spieler. Er hat eine große Auswahl an Spieler, was vom großen Vorteil ist, aber fraglich ist, ob die Spanier noch immer den Siegeswillen besitzen. Sie könnten wenigstens ins Viertelfinale einziehen, während wir uns über einen größeren Erfolg nicht gerade sicher sind.