TÜRKEI

Wenn man für eine Nationalmannschaft sagen kann, dass sie Glück bei der Platzierung in diese Europameisterschaft hatten, ist das definitiv die Türkei. Die Türken hatten mit großen Problemen in den Qualifikationen zu kämpfen und sie hatten Glück, dass der größte Favorit der Gruppe, die Niederlande, ganz nachgelassen hat, denn ansonsten hätten die Türken die Platzierung in die Relegation wahrscheinlich nicht geschafft. In der Relegation haben sie letztendlich auch nicht gespielt, denn es passte alles und am Ende waren sie die beste drittplatzierte Nationalmannschaft und erreichten somit die Platzierung in Frankreich. Den entscheidenden Sieg verbuchten sie zuhause gegen Island und zwar dank dem Treffer in den letzten Minuten. Man muss schon sagen, dass sie vor dem Ende der Qualifikationen allerdings in Fahrt gekommen sind, so dass sie vor Island auch den Gruppenführer Tschechien in Prag bezwungen haben, während sie auch gegen die Niederlande einen 3:0-Sieg geholt haben. Dafür erbrachten sie am Anfang allerdings eine miserable Leistung und holten nach drei Runden nur einen Punkt und damals hatten sie wirklich geringe Aussichten. Letztendlich schafften sie es und dies wird der fünfte Auftritt für die Türken in Europameisterschaften und das überzeugend beste Ergebnis verbuchten sie 2008, als sie in Österreich und der Schweiz drittplatziert waren. Danach ging es bergab, so dass sie die letzte EM verpasst haben, wie auch die WM in Brasilien vor zwei Jahren und dies ist ihre große Rückkehr auf die große Bühne. Die Ambitionen sind sicherlich groß und da sie sich ja in Frankreich platziert haben, könnten sie vielleicht auch den Einzug ins Achtelfinale erreichen, wobei sie allerdings die schlechte Stimmung in den Umkleidekabinen vermeiden müssten, denn das passierte ihnen ja oft.

Nationaltrainer: Im Fall der Türken kann man sagen, dass der Nationaltrainer der halbe Teil der Nationalmannschaft ist, denn es scheint, dass diese Nationalmannschaft nur mit dem 63-jährigen Fatih Terim ein erwähnenswertes Ergebnis erzielen kann. Sein Spitzname „Imperator“ sagt genug darüber aus, wie  begehrt er in seinem Land ist, aber nicht nur da, denn Terim trainierte einige große europäische Teams, wie Mailand, und in Italien arbeitete er noch in Florenz. In diesen Teams hatte er viel weniger Erfolg als in Galatasaray, in dem er dreimal auf der Trainerbank gesessen hat. Als er das zweite Mal Trainer in Galatasaray war und zwar von 2002 bis 2004, war er nicht gerade erfolgreich. In den anderen sechs Saisons war Galatasaray immer wieder türkischer Meister und sie holten die Trophäen auch in zwei Pokalen, vier Superpokalen und im UEFA Pokal 2000, was auch der Höhepunkt des ersten Engagements von Fatih Terim auf der Trainerbank von Galatasaray war. Dies ist sein drittes Mandat auf der Trainerbank der Türkei und das Beste war das zweite, als er mit dieser Nationalmannschaft Bronze in der EM 2008 gewonnen hat. Der kehrte auf die Trainerbank dieser Nationalmannschaft 2013 zurück, um die Türken nach zwei Misserfolgen endlich mal an einem großen Wettbewerb teilnehmen zu lassen und das schaffte er auch und in den Qualifikationen zeigte er noch einmal Dominanz, denn einige Stammspieler wurden abgeschrieben und wieder in die Aufstellung zurückgeholt.

Spielsystem und Spielerkader:  Hier haben wir wieder eine Nationalmannschaft, die in der klassischen und immer moderneren Aufstellung 4-2-3-1 spielt, mit nur einem Stürmer in der Spitze, wobei das Mittelfeld nach Bedarf auch anders aussehen könnte, in einer offeneren oder geschlosseneren Variante. Wir haben ja schon gesagt, dass es in den Qualifikationen viele Probleme gab und es scheint, als würde bei den Türken alles vom psychischen Zustand der Spieler und der Atmosphäre unter ihnen abhängen, denn dann sind sie ein sehr unangenehmer Gegner, während sie anderenfalls auch von einer Amateurnationalmannschaft geschlagen werden können. Diese Einigkeit hatten sie im Finish der Qualifikationen und der letzte Sieg, dank dem sie sich auch platziert haben sorgte für zusätzliche Einigkeit, so dass sie jetzt jeden Respekt verdienen. Es gibt da viele brillante Spieler, vor allem im Mittelfeld, wo der Beste, der Spitzenspieler aus Barcelona, Arda Turan spielt. Die Abwehrreihe könnte ein Problem sein, denn Toprak fehlt schon seit einiger Zeit und es fehlen ja auch Ayhan und Gülüm. Im Mittelfeld wird Ekici nicht dabei sein, während im Angriff der erfahrene Umut Bulut fehlen wird, so dass um diese Position Tosun und Burak Yilmaz ganz gleichgesetzt kämpfen werden, wobei Burak Yilmaz momentan im weiten China auftritt, was ein großes Problem ist.

Voraussichtliche Aufstellung: Babacan – Gönül, Kaya (Aziz), Balta, Erkin – Topal, Inan – Calhanoglu, Özyakup, Turan – Tosun

Vorhersage: Die Türken sind sich selber die größten Gegner, was man auch früher sehen konnte. Wenn sie wie ein Team agieren werden, dann sind sie die potentielle Überraschung, obwohl sie selbst wahrscheinlich nur an das Achtelfinale denken. Dies ist ja auch die objektive Platzierung für diese Nationalmannschaft, oder eventuell das Viertelfinale, aber im ersten Duell spielen sie gegen Kroatien und dieses Duell wird in vielen Hinsichten entscheidend sein.