WALES

Wir haben bereits bei der Vorschau erwähnt, dass wir in Gruppe B zwei Debütanten haben und neben der Slowakei ist Wales der zweite Debütant. Die Waliser haben ebenfalls schon an der WM teilgenommen und zwar 1958. Vor dieser historischen EM-Teilnahme in Frankreich haben sie die Qualifikation meist im unteren Teil der Tabelle beendet. Mit der Ankunft der neuen Generation angeführt vom brillanten Gareth Bale kam auch der große Fortschritt in ihrem Spiel und so führten sie in der letzten Qualifikation für eine längere Zeit die Tabelle an, aber diese Position mussten sie am Ende den favorisierten Belgiern überlassen. Mit einer Bilanz von sechs Siegen, drei Remis und nur einer Niederlage landeten die Waliser auf dem zweiten Platz. Hinter sich ließen sie sehr hochwertige bosnisch-herzegowische Nationalmannschaft, die an der WM in Brasilien teilnahm. Darüber hinaus waren sie besser als Israel, Zypern und Andorra. In zehn gespielten Duellen kassierten sie nur vier Gegentore, am wenigsten in ihrer Gruppe. In den Freundschaftsspielen danach hatten sie aber ziemlich viele Probleme und gerade deshalb ist es schwer vorherzusagen, wie sie sich bei ihrem Debütauftritt an der EM präsentieren werden.

Nationaltrainer: Die letzten vier Jahren wird die walisische Nationalmannschaft vom heimischen Experten Chris Coleman geleitet. Mit seinen 46 Jahren gilt er als einer der jüngsten Nationaltrainer bei dieser EM. Großen Respekt verdiente er sich bei der lokalen Öffentlichkeit nach dieser historischen EM-Qualifizierung, zumal er seine Amtszeit auf die schlimmste Art und Weise begann und zwar mit fünf kassierten Niederlagen in Folge. Offensichtlich hat der walisische Fußballverband großes Potenzial in ihm gesehen, was sich später auch auszahlte. Darüber hinaus glauben wir, dass sie mit Coleman eine langfristige Lösung gefunden haben, unabhängig vom Ergebnis in Frankreich. Hinter sich hat er eine sehr reiche Spielerkarriere, meist in den Vereinen aus den beiden stärksten englischen Ligen, während er für das Nationalteam sogar 32 Spiele bestritten hat. Vor der Übernahme der walisischen Nationalauswahl trainierte er noch Fulham, Coventry, Real Sociedad und den griechischen Larissa.

Spielsystem und Spielerkader: Wir haben bereits gesagt, dass den Walisern die EM-Teilnahme in erster Linie dank ihrer tollen Abwehr gelungen ist und daher überrascht es nicht, dass Trainer Coleman die Aufstellung sehr oft ändert, weil er in erster Linie versucht, sich an Gegner anzupassen. Wenn er jedoch seine besten Spieler zur Verfügung hat, spielt Coleman hauptsächlich 4-3-2-1-Formation, während er in letzter Zeit auch mit drei Spielern in der Abwehr rumexperimentiert (3-4-2-1 oder sogar 3-5-2), wobei in dieser Situation ihr größter Star Bale eine etwas offensivere Rolle zugeteilt bekommt als sonst. Neben ihm brilliert auch Arsenal-Mittelfeldspieler Ramsey, während im Mittelfeld noch Allen (Liverpool), Ledley (Crystal Palace) sowie das Mitglied des neuen englischen Meisters, Leicester, King, dabei sein sollen. Was die Abwehrreihe betrifft, befinden sich da viele sehr erfahrene und hochwertige Spieler aus Premier League, während ihre Schwachstelle im Mittelsturm liegt und deshalb bekommt in letzter Zeit der schnelle Robson-Kanu (Reading) öfters die Chance auf dieser Position.

Voraussichtliche Aufstellung: Hennessey – Gunter, Chester, Williams, Taylor – Allen, King, Ledley – Bale, Ramsey – Robson- Kanu

Vorhersage: Natürlich werden die Waliser bei ihrem Debütauftritt an der EM versuchen einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen, zumal sie mit ihrer stärksten Besatzung nach Frankreich reisen. Darüber hinaus werden sie sicherlich ein besonderes Motiv gegen England haben, da fast alle walisische Fußballspieler in der Premier League spielen, aber wir sind der Meinung, dass sie bei dieser Meisterschaft in erster Linie versuchen werden, in allen drei Begegnungen der Gruppenphase ungeschlagen zu bleiben und so werden sie auf jeden Fall nicht als Sieger der Gruppe erwartet, wobei sie durch eine Kombination von glücklichen Umständen vielleicht als Zweiter oder eventuell Dritter ins K.o.-Phase schaffen könnten.