ImageKaum nähern wir uns der Frist zum Jahresende sind die Ministerpräsidenten, Innensenatoren und andere plötzlich auferstandene „Spielsuchtexperten“ ein wenig panisch und sehen sich in Zugzwang die Bedingungen für den angeblich legitimen Glücksspielstaatsvertrag durchzusetzen. Das neuste Vorhaben kommt aus der Hauptstadt, wo man die Zahl der Annahmestellen von 1200 auf 1100 reduzieren will um eben das Spiel zu erschweren und die Bedingungen des neuen Staatsvertrages zu erfüllen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es der Innensenator wirklich ernst meint und man nun konsequent sein möchte, doch schaut man hinter die Kulissen und sieht sich die anderen Bedingungen an, wird man schnell feststellen, dass man lediglich auf der Suche nach einem Argument ist, das man vor den Gerichten später verwenden kann.

Die aktuellen Vorhaben unserer Politiker erinnern an ein Kind, das sein Zimmer aufräumen soll und nun einen Stuhl frei räumt und den Rest des Zimmers unaufgeräumt lässt, weil es hofft die Eltern würden sich zunächst mit dem einen Stuhl zufrieden stellen und erst später auf das restliche Zimmer eingehen. Wie sonst könnte man es erklären, dass die Werbung für Lotto im letzten halben Jahr stark gestiegen ist und dies insbesondere in den Fußballstadien. Zur allgemeinen Volksbelustigung bedruckt man dann schon mal die Werbebanden mit unsichtbar kleinen Sprüchen über Spielsucht, so dass der Fernsehzuschauer dies wohl nicht mal auf einer Großbildleinwand lesen könnte oder man bezeichnet die Aufschrift „6 aus 49“ als „informative Werbung“. Alternativ dazu wäre auch die Frage interessant wieso die Casinos immer weiter ihr Pokerangebot ausbauen, wenn nicht um mehr Kunden zu bekommen, da wir gerade einen Pokerboom erleben.

Wer sich hierbei nur auf die Maßnahme von Berlin beschränken möchte und dies als gute Tat ansehen will, der sollte sich ein wenig näher mit diesem Thema befassen, denn das absolut unfassbare ist, dass sich der Innensenator mit der Berliner Lotteriegesellschaft zusammensetzen möchte, da er ja nur ungern solche Verbote für die einzelnen Läden ausspricht. Wir erinnern uns jedoch wie gern er dies bei den privaten Wettanbietern tat und dass es hier keine Beratung gab um darüber zu besprechen wie viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Man wollte sich nicht mal die Argumente der privaten Anbieter anhören. Ein zweiter noch viel wichtiger Faktor, der erst die Scheinheiligkeit dieses Vorhabens offenbart ist die Tatsache, dass man die Maßnahme für ausreichend hält obwohl man immer noch 1100 Annahmestellen in Berlin hätte. Dies wären pro 3300 Einwohner eine Annahmestelle und in allen kann Lotto oder Oddset gespielt werden. Dabei bezeichnete man die vielen Neueröffnungen der privaten Wettbüros als „unkontrollierbaren Wildwuchs“ und verschweigt nun, dass im liberalisierten englischen Markt ein Wettbüro pro 10.000 Einwohner als optimales Model gilt. Damit hätte das staatliche Angebot immer noch 3 mal zu viele Annahmestellen allein in der Hauptstadt, doch solche Fakten hält man lieber unter Verschluss und hofft, dass man nur ein Teil des Kinderzimmers aufräumen muss.