ImageOder wie in diesem Fall der Priester, also die moralische Instanz. In der neusten Presse-Mitteilung der Lotto-Totto GmbH dürfen die Politiker des Ethik-Beirats ein paar Worte an das (in ihren Augen wohl unterentwickelte) Volk richten und so beehrt uns Frau Renate Schmidt mit Weisheiten aus dem Morgenland:

„Es kann nicht toleriert werden, dass die illegalen Anbieter immer noch mit ihren aggressiven und suchtfördernden Angeboten auf dem deutschen Markt sind und geltendes Recht ignorieren, während die staatlichen Lottogesellschaften sich strikt an den Staatsvertrag halten“

An dieser Stelle sollten wir uns etwas näher mit diesen Aussagen befassen, insbesondere mit dem Wahrheitsgehalt dieser Aussagen.

An erster Stelle steht der krampfhaft angewandte Begriff der „illegalen Anbieter“, den sich der deutsche Lotto und Totto-Block angewöhnt hat, eben so wie ihre Freunde in der Politik. Dies ist schlicht und ergreifend falsch, denn ausnahmslos alle Anbieter haben Lizenzen und mindestens die Inhaber von europäischen Lizenzen haben den Anspruch sich als „legal“ zu bezeichnen. Andernfalls wäre es für unsere Politik mit Sicherheit ein Skandal, wenn ein anderer europäischer Staat beispielsweise einen deutschen Meisterbrief eines Handwerkers nicht anerkennen würde.

Danach wird von aggressivem und spielsuchtförderndem Angebot gesprochen. Dies ist lediglich ein undefinierter Begriff aus dem blumigen Wortschatz einer Politikerin und hat überhaupt keinen Inhalt, da es keine Definition gibt was denn ein spielsuchtförderndes Angebot sei. Ist es das Einführen von neuen Spielangeboten? Dann wären die Casinos in Deutschland gleichauf, denn auch dort gibt es konstante Spielerneuerung um das Angebot attraktiv zu halten. Ist es die Einführung von neuen Spielangeboten wie Poker? Dann sind die Pressemitteilungen mit dem beginn „Casino Wiesbaden informiert“ interessant an Stelle der „Lotto informiert“ Pressemitteilungen (wie einfallsreich), da so deutlich wird mit welch aggressiver Öffentlichkeitsarbeit die neuen Pokerangebote in staatlichen Casinos beworben werden.

Der dritte Teil ist das „Ignorieren von deutschem Recht“. Für Deutschland gilt an erster Stelle das europäische Recht wie in allen anderen EU Staaten auch und an dieses hält sich die deutsche Regierung nicht. Außerdem ist es gerade der deutsche Lotto und Totto Block, der sich nicht an deutsches Recht hielt und dies verursachte ja den neuen Glücksspielstaatsvertrag oder hat Frau Schmidt etwa vergessen das damalige Urteil der Karlsruher Richter zu lesen? Damit sollen wir also dem deutschen Lotto und Tottoblock glauben, wenn sie die privaten Anbieter (dies Frau Schmidt ist der richtige Ausdruck anstatt der „illegalen Anbieter“) bezichtigen, deutsches Recht zu missachten. Übersetzt: wir sollen jemandem glauben, der selbst verurteilt wurde, deutsches Recht ignoriert zu haben, denn dieses Urteil gibt es.

Die staatlichen Anbieter (seltsam, ich dachte der rhetorische Gegensatz von Illegal sei „legal“ und nicht „staatlich“) würden sich an die Vorgaben der Staatsvertrages halten, nicht gewinnorientiert arbeiten und stellen den Jugendschutz sicher. Den Jugendschutz sicher stellen bedeutet also Glücksspiel da anzubieten, wo Jugendliche verkehren? Nichts anderes passiert nämlich in staatlichen Lotterie-Annahmestellen, während selbst in Gegenden wo private Sportwetten toleriert werden, der Zutritt zu den Wettbüros erst ab 18 möglich ist. Radiowerbung hört nicht auf Werbung zu sein, nur weil der Sprecher vorher sagt „Lotto INFORMIERT“, auch wenn die Politiker wohl begeistern gewesen sein durften als die beauftragte Werbeagentur mit diesem „geistreichen“ Trick zur Präsentation erschien. Es wird so viel für Lotto geworben in Radiosendern wie nie zuvor. Ein sehr gutes Beispiel ist hier Westlotto in NRW. Hier werden Unmengen an Geldern für Radiowerbung beim größten Radiosender 1LIVE ausgegeben und am Ende jeder Werbung wird dann mit dem Werbeslogan von Westlotto „informiert“: „Der Weg zum Glück seit 50 Jahren“. Es braucht keinen Experten um zu erkennen, dass es sich hierbei um einen reinen Werbeslogan handelt. Damit ist die angebliche Information ganz eindeutig Werbung, was natürlich bereits durch bezahlte Meldungen passiert, bei denen ein besonders hoher Jackpot genannt wird, denn der Jackpot an sich ist die größte Glücksspiel-Förderung.

Ist es nicht absurd, dass solche Aussagen von ausgedienten, aber eben prominenten Politikern wie Frau Schmidt, dafür herhalten müssen die Machtgier der deutschen Politik zu stützen? Frau Schmidt machte diese Aussagen als Mitglied eines Ethik-Beirates zum Thema Lotto und Totto. In diesem Beirat sitzen neben Politikern Vertreter des deutschen staatlichen Lotto und Totto Blocks (also auch ehemalige Politiker, die aus Dankbarkein noch Mal einen lohnenswerten Posten erhielten), so dass in mir die Frage aufkommt ob nicht die gleiche Werbeagentur, von der das Wörtchen „informiert“ stammt, auch den Namen „Ethik-Beirat“ erfand.

Also liebe Leser, was lernen wir von unseren moralischen Instanzen der Politik? Falls Sie Drogen mögen, ihnen aber der Stoff ihres Dealers nicht mehr gefällt, fragen sie den selbigen ob die anderen Dealer etwas Besseres im Angebot haben.