ImageMal wieder ist es den staatlichen Lotterieanbietern gelungen ihr veraltetes und europafeindliches System etwas länger am Leben zu erhalten. Da man ganz offensichtlich nicht mal bei deutschen Gerichten eine einheitliche Rechtssprechung erreichen kann, geht man nun wie in den Vorjahren gegen starke Konkurrenten vor, in diesem Fall ist es Bet365, wo man es scheinbar geschafft hat, dass Kunden aus NRW ausgeschlossen werden. Alle Konten aus NRW sollen angebliche geschlossen werden und ausgezahlt werden. Das Vorgehen in diesem Falle dürfte dem bei Ladbrokes und William Hill gleichen (zwei Wettgiganten aus England), wo WestLotto ein Urteil direkt gegen diese beiden Anbieter durchsetzte, die seitdem keine deutschen Spieler mehr akzeptieren.

 

Die sehr berechtigte Frage in diesem Fall ist einmal mehr die nach dem Sinn und Unsinn dieses Urteils und dieses Vorgehens. Nun verkommt unser Staat nicht nur offline zu einem rechtlichen Chaosstaat, in dem es von Verwaltungsgericht zu Verwaltungsgericht verschiedene Urteile gibt, so dass man fleckenweise offline spielen kann, sondern auch online. Der Jubel bei den staatlichen Lotterien dürfte groß sein, obwohl dieses Urteil wohl kaum Einfluss auf die einbrechenden Oddset-Umsätze haben wird, wobei wir an dieser Stelle auch eher von Schadenfreude reden, da sich insbesondere WestLotto gerne mit den großen misst und besonderes Vergnügen dabei empfindet solche Urteile zu erwirken. Realistisch gesehen bleibt die Anzahl der Wettmöglichkeiten im Internet immer noch riesig obwohl der Wegfall eines solch seriösen Anbieters wie Bet365 mit Sicherheit sehr schade ist für alle NRW-ler. Wir freuen uns bereits jetzt über die Monologe der Politiker, bei denen der Gestank des Eigenlobs ins unermessliche steigen dürfte, da man sich nun einmal mehr als Kämpfer gegen die Spielsucht wird profilieren wollen.

Die Realität hingegen ist täglich in den Reden unserer „Volksvertreter“ zu vernehmen und hier freuen wir uns ganz besonders, dass es passender weise neue Worte direkt aus NRW gab, wo die Absichten solche Urteile deutlich werden. So sagte der SPD-Politiker Wolfram Kuschke aktuell in einer Rede im NRW Landtag:

 

„Der Einbruch der Erlöse aus der staatlichen Sportwette Oddset um fast 19 Prozent im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der neue Glücksspielstaatsvertrag seinen Zweck nicht erfüllt.“

 

Hierbei wird deutlich, dass der Zweck des neuen Glücksspielstaatsvertrages zu keinem Zeitpunkt die Spielsuchtprävention war, sondern lediglich die Einnahmensicherung für die Länder. Da kann der von Wolfram Kuschke angeführte Grund noch so edel sein (soziale Projekte, Sportförderung), in Wirklichkeit sind die Einnahmen einfach eine fest eingeplante Größe im Haushalt, die nicht wegfallen soll und die eben nicht nur solch edlen Vorhaben dient, denn für die Finanzierung dieser gab es bereits zahlreich Vorschläge seitens der privaten Anbieter, die bei der Politik jedoch auf taube Ohren stießen.

Was passiert wenn der europäische Gerichtshof den neuen Staatsvertrag für europarechtswidrig erklärt, konnte niemand vernehmen. An dieser Stelle wird nämlich dann wieder der Bürger zur Kasse gebeten, da die Schadensersatzklagen durch Steuergelder beglichen werden. Hier wird einmal die Willkür und Arroganz unserer Politik deutlich, die dem Bürger nicht die freie Entscheidung zutraut, während die Politik selbst zu Zockern verkommen, die leider nicht mit eigenem sondern mit unserem Geld an den Spieltischen sitzen.