Eine Branche frisst sich selbst.

Seit einiger Zeit ist unter den privaten Anbietern von Sportwetten ein erschreckender Trend zu beobachten. Die Devise scheint nur noch zu sein, immer mehr Auswahl zu haben oder monströse Quotenschlüssel einzubauen, doch genau diese Politik könnte dazu führen, dass es den Sportwettenanbietern immer schlechter anstatt besser geht.

Vor einigen Jahren war ein Quotenschlüssel bei einem Top-Spiel aus der Bundesliga im Schnitt bei 92%, inzwischen gibt es immer mehr Anbietet, die sogar Quotenschlüssel weit über die 95% zur Verfügung stellen. Was bedeutet das für die Unternehmen? Die laufenden Kosten steigen, da immer mehr ausgezahlt wird, die Margen schrumpfen. Dies wäre unproblematisch, wenn die Kosten für die Sportwettenanbieter konstant bleiben würden, doch im Zusammenhang mit dem zweiten Trend steigen diese immer mehr, denn es sollen immer mehr Ligen angeboten werden und wo früher ein Buchmacher ein Spiel bei den Livewetten betreuen konnte, da sitzen bei einigen Buchmachern inzwischen drei oder vier, da sie sonst die Quotenflut eines einzigen Spiels nicht mehr bearbeiten könnten.

Die Folgen dieser Geschäftspolitik sind momentan immer wieder zu bestaunen. Viele Buchmacher limitieren sehr schnell, vor allem bei Spielern von Einzelwetten, die ersten Buchmacher bieten die Einzelwette nur noch mit Gebühr an. Bei den meisten ist jedoch vor allem im Servicebereich der Rotstift angesetzt worden, so dass immer häufiger zu beobachten ist, dass die Kunden nicht zufrieden sind bei einer der Abarbeitung ihrer Fragen oder die Auszahlungen zu lange dauern.

Einige der seriösen Anbieter haben daher auch diesem Vorgehen den Rücken gekehrt und haben zwar ebenfalls ein weit gefächertes Angebot, jedoch sind die Quotenschlüssel in einem realistischen Bereich, damit das Unternehmen auch handlungsfähig bleibt. Es bleibt jedoch abzuwarten ob der Druck auf diese Firmen nicht noch weiter anwachsen wird und sie somit auch irgendwann auf den Zug des Quotenwahns aufspringen müssen, der letztendlich bei sehr vielen zum Untergang des Unternehmens führen wird. So hörte man bereits im letzten Jahr von vielen der Anbieter Klagelieder über die Saison, in der unverhältnismäßig viele Favoriten gewonnen haben.

Es bleibt nur zu hoffen, dass einige der bekannten Unternehmen weiterhin lieber das Prädikat „seriös“ haben wollen anstatt „monströs“ bei den Quoten, denn immerhin ist ein Buchmacher auch ein Paket aus Quotenauswahl, Quotengüte, Service und Zuverlässigkeit, was viele der Kunden vergessen. Der Ärger falls die Auszahlung länger dauert, der Service nicht stimmt oder das Geld gar ganz weg ist, ist dann teilweise vorprogrammiert.

Es bleibt abzuwarten ob sich die Branche wirklich selbst in den Ruin treiben wird oder ob am Ende doch die Vernunft siegt.