Full Tilt Poker und die billige Redaktionsarbeit

Eigentlich wollte ich mich aus den „politischen“ Themen weitestgehend raushalten und mich den normalen Sporttipps widmen, aber es gibt Situation, bei denen man einfach so angewidert ist, dass man seine Meinung äußern muss. In diesem Fall geht es um die großen „Pokermagazine“ (hauptsächlich online) und den Pokerraum Full Tilt Poker, der heute (Dienstag) seine Pforten öffnet nachdem er einige Monate offline war.

Die Full Tilt Vorgeschichte

Full Tilt Poker war neben Pokerstars der zweite dominante Pokerraum und war genauso wie Pokerstars vor allem dank der US-Kunden großgeworden. Am Black Friday als sehr viele Seiten offline gingen und einige Konten durch die amerikanischen Behörden beschlagnahmt wurden, ging auch Full Tilt Poker offline, aber sie kamen nicht wieder. Ans Tageslicht kam ein riesiger Skandal, denn einige der Miteigentümer hatten sich bei den Spielergeldern bedient als seien es kostenlose Bonbons. Damals war der Schock groß und alle Pokermedien schlachteten den Skandal aus und verurteilten alle Teilnehmer. Die Gelder der Spieler waren erst einmal weg und natürlich wurden alle offenen Rechnungen mit Geschäftspartnern nicht beglichen.

Der Neustart

Der Neustart wurde vor einigen Wochen klar und zwar als Pokerstars alle Anteile an FullTilt aufkaufte. Die Hoffnung von Pokerstars ist hier sicherlich eine zweite starke Software aufzukaufen, ein Quasimonopol aufzubauen was Poker angeht, aber auch einige Patentklagen zu verhindern, die mit Rushpoker zusammenhängen könnten. Über Sinn oder Unsinn dieses Kaufes lässt sich natürlich herrlich streiten, aber darum soll es heute nicht gehen. Pokerstars verpflichtete sich alle Spielergelder auszuzahlen, aber die Vereinbarung gilt erst einmal für nicht US-Spieler. Die Spieler aus den USA müssen noch warten bis sich Pokerstars mit dem Justizministerium geeinigt hat.

Der Betrug geht weiter

Kommen wir nun zu dem Teil, der mich persönlich so ärgert. Wer glaubt nun sei alle bereinigt bei Full Tilt Poker, der übersieht, dass Pokerstars hier einen großen Betrug über die Bühne zieht und die Pokermedien machen diesen mit. Pokerstars hat angekündigt, dass man keine Affiliateverträge übernehmen wird und man keine Kommissionen mehr für alte Abmachungen zahlen wird. Was heißt das?

Bei Affiliateprogrammen werben Partner Kunden für den Pokerraum an und verdienen dann an dem vom Kunden erzielten Rake. Im Normalfall gilt das dann „lebenslänglich“. Genau diese vorher entstandene Partnerverhältnisse will Pokerstars nicht gelten lassen und beschlagnahmt praktisch alle Kunden ohne die Gewinne zu teilen. Wer denkt „mit denen sollte man kein Mitleid haben“, der sollte seine Meinung überdenken. Ohne die Affiliates wären die offiziellen Rakebacks niemals eingeführt worden. Große Affiliates wie Pokerstrategy waren es, die Poker erst so groß machten, weil sie Neulinge schulten wie man spielt.

Das Schweigen der Bezahlten

Die sonst so vorlaute Pokerpresse, die entweder ihre Coolness feiert oder sich gegenseitig wie in der Gosse basht schweigt zu diesem Betrug. Warum? Ganz einfach, sie haben sich schon immer ohne Prozente bezahlten lassen, sondern mit Festvergütungen. Sie haben keine offenen Rechnungen, sondern wittern neue Einnahmen, weil Pokerstars natürlich den neuen Pokerraum bewerben will. Und die US-Kunden, die noch immer auf ihr Geld warten? Auch die sind in Vergessenheit geraten, schließlich sind sie ja weit weg. Dass ohne die USA Spieler Poker niemals so groß geworden wäre, das interessiert die deutsche Pokerpresse auch nicht mehr, schließlich gibt es frisches Geld.

Schöne Poker-„GEMEIN“schaft…