Unsere Sensationsgeilheit und die Realität

ImageIn diesem Falle gilt die Kritik eindeutig uns Normalbürgern und keiner staatlichen Stelle, denn wir waren es die voller Gier auf den angeblichen Wettskandal gewartet haben. Sie sind nicht meiner Meinung? Sie behaupten es wäre nicht so? Doch doch, genau so war es.

Da ist ein kanadischer Journalist mit angeblichen Kontakten zur asiatischen Wettmafia, der sich hinstellt und drei Spiele nennt wo es zu Betrug und Bestechung gekommen sein soll und was machen wir? Wir schreien alle laut „Skandal“ und werfen mit anderen Spielen um uns, die „mit Sicherheit“ und „auf jeden Fall“ verschoben waren, doch in Wirklichkeit ist dies nur die Freude darüber, dass wir eine Ausrede mehr haben wenn ein Wette nicht so kam wie sie kommen sollte oder wenn mal wieder der Kombifüller eines Wettscheins, der absolute Favorit, nicht das hielt was die Kleinstquote versprach.

Was aber in diesem Fall entspricht der Realität? Im Grunde genommen gar nichts und alles, denn bewiesen ist an der ganzen Geschichte nichts und wirklich ungewöhnlich war keines der erwähnten Spiele. So rudert auch der Buchautor wieder fleißig zurück und spricht davon, dass er falsch zitiert worden sei (eventuell fiel ihm dann doch ein, dass die Bunderligavereine, die er beschuldigt über eine Rechtsschutzversicherung verfügen und böse Anwälte sehr viel Geld für diese Rufschädigung fordern könnten), aber halb so wild denn sein Ziel hat der gute Mann erreicht: er war überall Gesprächsthema und unsere Instanz der seriösen Journalisten (der Spiegel) berichtete jeden Tag darüber so dass die Verkaufszahlen auch mit Sicherheit hoch ausfallen dürften (und ja, wir halten den Spiegel für genau so reisserisch wie die Bildzeitung. Der Spiegel verfügt lediglich über die rhetorisch fähigeren Journalisten, aber die Jagd nach der Sensation lässt auch sie die Realität vergessen).

Im Grunde genommen wurde uns bis heute kein einziger Beweis für irgendwas präsentiert. Im Grunde genommen ist bis jetzt alles die Märchengeschichte eines netten kanadischen Kerls, der in die Welt hinausging um durch Bücherverkäufe reich zu werden. Die meisten Menschen wird es nicht interessieren und manche werden die Wahrheit gar nicht hören wollen, da sie ja ihre eigene Erklärung für den Satz „maaaaaaaan, wieder nur ein Spiel falsch“ haben. Wieder andere wie ein deutschsprachiges Wettportal verschicken Marketing-Emails, in denen sie die Situation nutzen um zu sagen „mit unseren unglaublichen Profis werden sie reich ohne zu betrügen“. An dieser Stelle hoffen wir einfach, dass die PG Agentur Teilhaber der Seite ist und kein Geld für diese Einfallslosigkeit haben wollte…..

Um eines ganz klar zu sagen, es GIBT Wettbetrug und es gibt auch Kriminelle die mit solchen Dingen Geld verdienen, ABER eine Hetzjagd ohne Beweise oder gar ohne auch nur im Ansatz Indizien zu haben wie wir es auch schon bei einigen Tennisspielern beobachten konnten, ist nicht der richtige Weg. Wir sollten über das Niveau des Mittelalters hinausgewachsen sein und uns auf Tatsachen und Beweise berufen anstatt auf einen kanadischen Journalisten, der sein Buch promotet.