Willkommen in Absurdistan

Vor einigen Wochen glaubten wir noch ernsthaft, dass die Politik nicht weiter in Absurditäten verfallen würde, nachdem die Gerichte mal wieder völlig unterschiedlich entschieden hatten was das Vermitteln von Sportwetten angeht. Doch die edlen Ritter der Spielsuchtprävention, oder auch Ministerpräsidenten genannt, entschieden sich für das Sportwettenmonopol. Oder um es juristisch korrekter zu sagen, sie entschieden sich für ein GLÜCKSSPIELmonopol und begriffen dies selbst nicht. Die Vorlagen auch hierfür sind eindeutig: ein Glücksspielmonopol ist nur zulässig wenn es einzig und allein der Spielsuchtprävention dient. Die Politik ließ daraufhin auch sehr deutlich machen, dass sie einzig und allein dem Wohle der Bevölkerung dienen möchte und alles für die Spielsuchtprävention tun wird. Wir schauten uns auch hier die Realität an und ließen diesmal den stark beworbenen Lotto und Totoblock bei Seite, da dieser bereits von uns behandelt wurde und auch noch Gegenstand von einigen Gerichtsurteilen sein dürfte, da hier auch rechtlich die Devise gilt „mitgehangen, mitgefangen“, so dass ein Aussortieren der Sportwetten nicht passieren wird und somit auch Keno und Lotto demnächst wohl ohne Werbung laufen werden.

Dieses Mal geht es darum, die Fantasien unserer Politiker und vor allem Bürgermeister zu untersuchen, die selbstverständlich auch für einen Erhalt des Monopols sind und den Bürger schützen wollen. Ganz vorne Hierbei sind zwei Länder: Bayern und NRW. Schaut man sich die „Glücksspiellandschaft“ in NRW bis vor einigen Jahren an, stellt man fest, dass es bis dato drei Casinos gab und zwar das legendäre Casino in Dortmund Hohensyburg, eins in Bad Oeynhausen und eines in Aachen. Betrieben werden diese von der Westdeutschen Spielbanken GmbH & Co. KG, die ebenso wie Westlotto der Landesbank NRW.BANK gehören. Interessant ist die Entwicklung im Casino-Segment in NRW. Erst vor einigen Jahren eröffnete die Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG das vierte Casino in Duisburg. Doch damit nicht genug, denn immer mehr Bürgermeister möchten nun in das lukrative Casinogeschäft einsteigen und vom Glücksspielboom profitieren. So wurde die Diskussion um zusätzliche Casinolizenzen in NRW erneut angefacht und zwar diesmal von den zwei Bürgermeistern, die trotz einer großen Stadt bisher leer ausgegangen sind: Düsseldorf und Köln. Beide träumen von der Roulette-Kugel, die die Stadtkasse auffüllen soll und neue Touristen anlocken soll. Und so schlecht sieht es für die Träume der Bürgermeister nicht aus, denn allein das größte Casino in Dortmund spült vor allem nach der Neuverteilung der Gelder umgerechnet 60,3 Millionen Euro in die Landeskasse und damit dürften die Argumente für weitere Lizenzen auf der Hand liegen.

Während also Herr Rüttgers mit aller Härte und unter dem Deckmantel der Spielsuchtprävention gegen private Anbieter von Sportwetten vorgeht, spült eben das Glücksspiel enorme Gelder in die Landeskasse, jedoch nur so lange, so lange das Glücksspielmonopol gehalten wird. Dies hat auch Bayern entdeckt und man wird das Gefühl nicht los, als fände dort gerade zu ein Wildwuchs statt bei den Lizenzvergaben für Spielbanken. In Bayern gibt es bereits 9 Spielbanken und es scheint kein Ende in Sicht so lange die Einnahmen stimmen. Und natürlich gehören alle Casinos direkt zu Lotto-Bayern, ebenso wie Oddset und Lotto.

Sie finden dies absurd? Wir ebenso, vor allem wenn wir uns auf der Seite der Spielbanken Bayern umschauen und dort bei der Unternehmensbeschreibung unter anderem folgendes finden:

„Die TOP-Wette von ODDSET – hier wird Gewinnen einfach.“

Allein dieser Werbespruch steht im völligen Gegensatz zu den Ankündigungen Bayerns alles gegen die Spielsucht zu tun. Der Wildwuchs der Spielbanken ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass um die Sicherung von Einnahmen im Falle von Oddset geht und nicht um das Allgemeinwohl. Problematisch könnte es für Lotto Bayern wenn sie ihr widersprüchliches Handeln vor dem europäischem Gerichtshof erklären müssten, denn die Sportwette ist ebenso wie Casinos unter dem Begriff Glücksspiel zusammengefasst, so dass hier getrennte Regelungen rechtlich nicht zu erklären sind und das Ausbreiten von Spielbanken wohl kaum mit Spielsuchtprävention zu erklären sein werden.

Absurd erscheint auch die absolut irreführende Werbung bei Lotto-Bayern, die wie folgt heißt:

„Der schnellste Weg zu den Millionen“

Obwohl wir immer wieder feststellen, dass auch Lotto-Bayern zu den fleißigen Lesern unserer Seite gehören, gab es bis jetzt keinen Kommentar zu diesem absurden Sachverhalt.

Scheinbar muss erst der europäische Gerichtshof aus Absurdistan wieder Deutschland machen, denn die Politik ist darauf bedacht Einnahmen zu sichern. Während gegen private Sportwettenangebote mit aller Härte vorgegangen wird, betreibt der Staat selbst immer mehr Spielbanken, obwohl die meisten Spielsüchtigen aus dem Bereich der Geldspielautomaten kommen.

Willkommen in Absurdistan.