Manchester United steckt tief in der sportlichen Krise. Nach einem 1:1-Unentschieden am Samstagabend gegen das Tabellenschlusslicht Tottenham Hotspur verzeichnen die Hausherren den schlechtesten Saisonstart seit 40 Jahren. Damit gerät Cheftrainer Michael Carrick zunehmend unter Druck, da die angestrebten Saisonziele bereits früh in weite Ferne rücken.

Überzahl bleibt erneut ungenutzt

Das Heimspiel gegen die Spurs markierte für United bereits die vierte Premier-League-Partie in Folge ohne Sieg. Zwar brachte Bryan Mbeumo die Gastgeber zunächst in Führung, doch Dominic Solanke glich in der Nachspielzeit für die Gäste aus Nordlondon aus. Besonders bitter aus Sicht von Manchester: Tottenham agierte ab der 78. Minute in Unterzahl, nachdem Rodrigo Bentancur wegen einer Tätlichkeit gegen Luke Shaw die Rote Karte gesehen hatte.

Es ist nicht das erste Mal in dieser jungen Spielzeit, dass die Mannschaft eine numerische Überlegenheit aus der Hand gibt. Bereits beim 0:1 im jüngsten Stadtderby gegen Manchester City konnte das Team einen frühen Platzverweis von Phil Foden in der 23. Minute nicht in Punkte ummünzen. Der einzige Erfolg datiert somit weiterhin vom zweiten Spieltag, als Aufsteiger Ipswich Town mit 5:2 geschlagen wurde.

Parallelen zur Ära Ferguson

Mit mageren sechs Zählern aus sechs Partien rangiert der englische Rekordmeister aktuell auf dem 13. Tabellenplatz. Eine derart schwache Ausbeute gab es zuletzt in der Saison 1986/87. Damals übernahm Alex Ferguson die Mannschaft auf Platz elf und formte sie in den Folgejahren zum erfolgreichsten Klub im englischen Vereinsfußball. Zwar startete United auch in den vergangenen beiden Jahren mit jeweils nur sieben Punkten holprig in die Saison, doch die aktuelle Entwicklung sorgt für massive Unruhe im Verein.

Im Zentrum der Kritik steht Trainer Michael Carrick. Der ehemalige Mittelfeldspieler, der als Profi 464 Partien für den Klub absolvierte und fünfmal die Meisterschaft gewann, hatte das Team im Januar von Rúben Amorim übernommen. Als Interimscoach führte er United noch in die Champions League. Kein anderes Team holte ab dem 22. Spieltag mehr Punkte. Dennoch sah das Umfeld die anschließende Beförderung zur Dauerlösung skeptisch.

Doppelbelastung als Knackpunkt

Laut Benjamin Littlemore, UK-Experte bei „Transfermarkt“, profitierte Carrick in der Vorsaison maßgeblich vom fehlenden Europapokal und der geringeren Belastung durch nur ein Spiel pro Woche. „Die Vereinbarkeit mit dem europäischen Wettbewerb stellt eine andere Herausforderung dar, und die Verstärkungen waren in bestimmten Bereichen begrenzt“, analysiert der Experte.

Da Carrick vor seinem Engagement in Manchester beim Zweitligisten Middlesbrough entlassen wurde, fehle ihm zudem das Standing eines großen Namens. Er habe den Posten primär aufgrund seiner Vergangenheit im Verein und der starken Rückrunde erhalten. Zwar droht ihm dem Vernehmen nach noch keine sofortige Entlassung, doch allzu viele Niederlagen darf sich der Cheftrainer nicht mehr leisten.

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