DFB-Präsident Bernd Neuendorf und weitere europäische Fußball-Funktionäre halten den Druck auf Gianni Infantino aufrecht. Nach einer mehr als dreieinhalbstündigen Sitzung des FIFA-Councils in Zürich fordern die Kritiker weiterhin den Rücktritt des umstrittenen Weltverbands-Chefs.

Enttäuschendes Krisentreffen in Zürich

Die Zusammenkunft in der Schweiz war das erste direkte Aufeinandertreffen zwischen Infantino und seinen Kontrahenten seit dem massiv kritisierten WM-Investorenplan aus dem Sommer. Zwar entschuldigte sich der FIFA-Präsident laut Angaben der „Sportschau“ während der Sitzung, doch das Misstrauen bleibt bestehen. Neuendorf betonte nach dem Treffen, dass zahlreiche kritische Fragen gestellt wurden, es aus seiner Sicht jedoch keine befriedigenden Antworten gab. Der DFB-Boss bezeichnete die Ergebnisse der Aussprache schlicht als „dünn“.

Die englische FIFA-Vizepräsidentin Debbie Hewitt bestätigte diesen Eindruck. Wie sie berichtete, habe der Verbandschef zwar zugehört und Antworten zu allen strittigen Themen zugesagt, einen konkreten Zeitrahmen dafür blieb er allerdings schuldig. Damit reagieren die europäischen Verbände zunehmend ungeduldig auf die Hinhaltetaktik der Führungsspitze.

Die Uhr tickt: Gegenkandidat für 2027 gesucht

Die europäische Opposition hat nun ein klares Zeitfenster vor Augen. Bis zum 18. November müssen die Verbände einen möglichen Gegenkandidaten für die kommende FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 nominieren. Neuendorf ließ keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines personellen Neuanfangs: „Wie gesagt, das Vertrauen in ihn ist verloren. Es müssen jetzt neue Leute, neue Ideen entwickeln, und wie wir diese Organisation, die ja extrem wichtig ist für den Weltfußball, auf seriöse Beine stellen.“

Um Alleingänge des Präsidenten künftig zu unterbinden, beschloss das Council die Gründung einer neuen Arbeitsgruppe. Unter der Leitung von FIFA-Vizepräsident Scheich Salman Bin Ebrahim al Khalifa soll dieses Gremium die Governancestruktur des Weltverbandes grundlegend reformieren. Das Ziel ist es, unabgestimmte Projekte wie Infantinos Investorenpläne strukturell unmöglich zu machen.

Millionenzuschüsse und vertagte Kontroversen

Neben der anhaltenden Führungskrise brachte Infantino kurz vor der Sitzung ein lukratives Angebot auf den Weg. Die jährlichen Zuschüsse an alle 211 nationalen Fußball-Verbände sollen von rund 10 Millionen auf etwa 25 Millionen US-Dollar steigen. Gleichzeitig scheiterte der Vorschlag einer Neuregelung bei Roten Karten. Nach dem Wirbel um die umstrittene Aufhebung einer Sperre für den US-Amerikaner Folarin Balogun verwarf das Gremium die Idee, Einspruchsmöglichkeiten gegen die Mindeststrafe von einem Spiel komplett abzuschaffen.

Eine weitere brisante Personalie verschob das Council in den Winter. Bis zur nächsten Sitzung am 16. Dezember im katarischen Doha muss die FIFA über die Zukunft ihres Friedenspreises entscheiden. Diese Auszeichnung steht massiv in der Kritik, nachdem Infantino sie im Vorjahr auf höchst umstrittene Weise an den damaligen US-Präsidenten Donald Trump verliehen hatte.

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