Am Donnerstag versammeln sich die Vertreter aller 55 UEFA-Mitgliedsverbände in Berlin. Hauptthema des Treffens am Potsdamer Platz ist der offene Machtkampf mit FIFA-Präsident Gianni Infantino. Die europäische Opposition sucht dringend nach einer Strategie und einem geeigneten Gegenkandidaten für die anstehende Wahl.

Suche nach einem Herausforderer für die Wahl in Rabat

Die UEFA möchte den Amtsinhaber spätestens bei der Abstimmung am 18. März in der marokkanischen Hauptstadt Rabat ablösen. Bislang hat die europäische Allianz um UEFA-Präsident Aleksander Ceferin jedoch keinen offiziellen Herausforderer benannt. Wie die „Sportschau“ berichtet, wird bei der Zusammenkunft in einem Berliner Luxushotel voraussichtlich noch kein Name präsentiert. Der Verband wartet offenbar auf einen strategisch günstigen Zeitpunkt kurz vor dem Ende der Nominierungsfrist am 18. November.

Die Verzögerung soll verhindern, dass ein potenzieller Gegenkandidat frühzeitig ins Visier einer FIFA-Kampagne gerät. Aleksander Ceferin schloss eine eigene Kandidatur gegen den FIFA-Chef bereits aus. Stattdessen hofft die Opposition, Infantino durch zunehmenden Druck noch vor der Wahl zum Verzicht zu bewegen. Eine aktuelle Ethikbeschwerde des norwegischen Verbandes zum Fall Balogun und dem FIFA-Friedenspreis dient dabei als weiteres Druckmittel.

Mangel an personellen Alternativen

Während der amtierende FIFA-Chef weltweit öffentliche Unterstützungserklärungen von Nationalverbänden sammelt, gehen der UEFA die Optionen aus. Ceferin bezeichnete Infantino nach dessen gescheitertem Investorendeal um die Vermarktungsrechte der Fußball-Weltmeisterschaft zuletzt als „Kaiser ohne Kleider“. Ein geschlossenes Auftreten der Europäer in Berlin ist ein erster Schritt, doch es fehlt eine klare personelle Alternative. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reist mit einer Delegation um Präsident Bernd Neuendorf, Generalsekretär Holger Blask und UEFA-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke in die Hauptstadt.

Die bisher gehandelten Namen bringen entscheidende Hürden mit. Victor Montagliani, Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF, galt lange als Favorit. Der Kanadier muss sich im Februar jedoch selbst der Wiederwahl stellen und kämpft mit den Nachwehen eines Missbrauchsskandals im heimischen Fußballverband. PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi erklärte bereits mehrfach, dass er nicht zur Verfügung stehe. Sein Heimatland Katar unterstützt den amtierenden FIFA-Präsidenten umfassend und stellt ihm regelmäßig einen Privatjet bereit. Asiens Verbandschef Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa verlor bereits 2016 eine Wahl gegen den Schweizer.

Die Zeit drängt für den europäischen Dachverband. Bis Mitte November muss ein Kandidat gefunden sein, andernfalls marschiert der Amtsinhaber konkurrenzlos in seine nächste Amtszeit. Der Machtkampf innerhalb der FIFA bleibt ohnehin angespannt. Die Beratungen am Potsdamer Platz werden nun zeigen, ob Europas Fußballverbände überhaupt eine realistische Chance auf einen Führungswechsel im Weltverband haben.

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