6

Stale Solbakken steht mit der norwegischen Nationalmannschaft im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Der 58-jährige Cheftrainer trifft nach einem historischen Erfolg gegen Brasilien am kommenden Samstag in Miami auf England. Was in seiner Heimat für landesweite Euphorie sorgt, weckt in Deutschland verblüffte Erinnerungen an eine historisch schlechte Bundesliga-Saison am Rhein.

Das norwegische WM-Märchen durch clevere Belastungssteuerung

Der norwegische Nationalcoach beweist bei dem großen Turnier in Nordamerika ein hervorragendes Gespür für sein Team. Um in der kraftraubenden Mammut-WM Lagerkoller zu vermeiden, gewährt er seinen Spielern ungewöhnliche Freiheiten. Nach dem viel umjubelten 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Brasilien durfte die Mannschaft das New Yorker Nachtleben erkunden. Kapitän Martin Ödegaard lobte diese Maßnahme ausdrücklich als wichtigen Faktor für den starken Zusammenhalt innerhalb der Gruppe.

Neben der mentalen Frische überzeugt der Skandinavier auch mit taktischer Weitsicht. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Frankreich rotierte er radikal und schickte eine B-Elf auf den Rasen. Die einkalkulierte 1:4-Niederlage und der damit verpasste Gruppensieg zahlten sich aus: Mit ausgeruhten Stammkräften dominierte das Team anschließend die K.o.-Duelle gegen die Elfenbeinküste und die südamerikanischen Ballzauberer aus Brasilien.

Jürgen Klopp lobt das goldene Händchen des Trainers

Besonders im Achtelfinale gegen die Selecao zeigte der Ex-Kölner seine Qualitäten als In-Game-Coach. Zur Halbzeit nahm er mutig die Offensivstars Alexander Sörloth und Antonio Nusa vom Feld und brachte stattdessen Andreas Schjelderup. Der Linksaußen von Benfica Lissabon bedankte sich für das Vertrauen und bereitete beide Treffer des überragenden Erling Haaland vor. Sogar der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp zollte diesem Mut Respekt und attestierte dem norwegischen Trainer ein exzellentes Wechselgespür.

Vom Abstiegs-Trainer in Köln zum gefeierten Nationalcoach

In Deutschland verbinden viele Fußballfans den Namen des Taktikfuchses untrennbar mit einer der schwächsten Spielzeiten in der Historie des 1. FC Köln. Zur Saison 2011/12 kam er mit vielen Vorschusslorbeeren vom FC Kopenhagen in die Domstadt. Der anfängliche Optimismus wich jedoch rasch sportlicher Tristesse und internen Machtkämpfen. Besonders die Differenzen mit dem damaligen Sportdirektor Volker Finke belasteten die Zusammenarbeit schwer. Aus dem einstigen Bundesliga-Missverständnis ist mittlerweile ein international gefragter Fachmann geworden, der nun die Chance hat, sein Heimatland in ein WM-Halbfinale zu führen.

Verwandte Beiträge

Warum Sportwetten-Magazin vertrauen?