Nach seinem vorzeitigen Saisonende wird Jannik Sinner die Führung in der Weltrangliste in den kommenden Wochen an Alexander Zverev abgeben. Der 25-jährige Italiener, der im Juni noch das Finale von Wimbledon gegen den Deutschen für sich entschied, nutzt die verletzungsbedingte Pause für einen privaten Rückblick. In einem Interview sprach er offen über den schmerzhaftesten Moment seines Lebens.

Der tränenreiche Abschied von der Familie

Für Sinner hat das einschneidendste Erlebnis nichts mit sportlichen Niederlagen zu tun. Konfrontiert mit der Frage, welchen Tag er am liebsten auslöschen würde, nannte der Südtiroler gegenüber „La Repubblica“ den Abschied von seinem Elternhaus. Das sei definitiv kein sportlicher Moment gewesen, stellte der Tennis-Star umgehend klar.

Im Alter von dreizehneinhalb Jahren verließ Sinner seine Familie in Richtung Mailand, um seine Karriere voranzutreiben. Den Moment, als sich die Wege trennten und sinnbildlich ein Faden riss, beschreibt er als enormen Herzschmerz. Beide, Vater und Sohn, weinten bei der Verabschiedung. „Ich hätte gut auf diesen Tag verzichten können; die Gefühle waren zu heftig“, gestand der Italiener.

Lob für junge Talente im Profisport

Trotz dieser schmerzhaften Erfahrung sieht Sinner den frühen Einstieg in den Leistungssport nicht kritisch. Er stellt sich damit gegen mahnende Stimmen, die vor den sozialen und emotionalen Belastungen für extrem junge Athleten warnen. Der Sport biete in einem bestimmten Alter die Möglichkeit, eine eigene Stimme zu finden, sich besser kennenzulernen und zu wachsen.

Dabei verwies er auf Lamine Yamal, der mit 19 Jahren für Spanien die Weltmeisterschaft gewann. „Warum sollte man Angst haben, dass zu viel Jugend Probleme verursacht?“, fragte Sinner. In vielen anderen Bereichen werde man für sein junges Alter kritisiert, doch der Sport biete Chancen, ohne zu urteilen oder nach dem Ausweis zu fragen.

Zverev profitiert vom Saisonende

Gleichzeitig betonte der Italiener, dass Leistung und Verdienst unabhängig vom Alter gelten. So hätten Routiniers wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder Novak Djokovic weiterhin jedes Recht, auf höchstem Niveau aufzulaufen. Das gilt auch für Spieler am Ende ihrer Laufbahn, während andere Legenden wie Stan Wawrinka ihre Tennis-Karriere in Basel emotional beenden.

Für Sinner selbst liegt der Fokus nun auf der körperlichen Regeneration. Seit seinem Triumph in Wimbledon bestritt der 25-Jährige kein offizielles Match mehr. Sein Körper zwang ihn in eine unbestimmte Pause, die das vorzeitige Ende seiner Saison bedeutete. Davon profitiert nun Alexander Zverev, der in Kürze die Spitze der Weltrangliste übernehmen wird.

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