Das Gänsehaut-Momentum gehörte ihm ganz allein: Sam Darnold stand im Zentrum der Feierlichkeiten, als die Seattle Seahawks ihren Super-Bowl-Triumph mit einer gigantischen Parade durch die Stadt zelebrierten. Mit einem Bier in der einen und der begehrten Lombardi Trophy in der anderen Hand trat der Quarterback im proppenvollen Lumen Field ans Mikrofon – und ließ seinen Gefühlen freien Lauf.

Dankbarkeit statt Genugtuung im Lumen Field

Anstatt Genugtuung gegenüber seinen Kritikern zu zeigen, wählte der 28-Jährige den Weg der Demut. "Ich habe in der letzten Woche viel über Glauben gesprochen", begann der Spielmacher seine Rede vor der euphorischen Fan-Schar. "Viele Menschen haben nicht an mich geglaubt, aber das war egal, weil diejenigen, die mir nahestehen, an mich geglaubt haben, darunter auch ihr alle."

Der neue Champion vergaß dabei nicht, die Architekten dieses Erfolgs namentlich zu erwähnen. Ausdrücklich bedankte er sich bei Teambesitzerin Jody Allen, General Manager John Schneider und Head Coach Mike Macdonald. "Ich bin dankbar für das Vertrauen, das ihr alle in mich gesetzt habt, als ihr mich im vergangenen Jahr unter Vertrag genommen habt", so Darnold weiter. Auch seine Teamkollegen schloss er in den Dank ein: "Ohne sie wäre ich nicht hier."

Vom Draft-Missverständnis zum NFL-Champion

Die Worte des Quarterbacks wiegen umso schwerer, wenn man auf seine turbulente Historie blickt. Als dritter Pick im Draft 2018 waren die Erwartungen bei den New York Jets riesig, doch Darnold zerbrach fast an dem Druck und wurde nach enttäuschenden Jahren vom Hof gejagt. Auch bei den Carolina Panthers fand er kein Glück, bevor er bei den San Francisco 49ers und zunächst auch bei den Minnesota Vikings die Rolle des Backups akzeptieren musste.

Erst die Verletzung von Rookie J.J. McCarthy in Minnesota öffnete ihm wieder die Tür: Er führte die Vikings überraschend zu 14 Siegen und empfahl sich so für die Seahawks. Dass Seattle ihm als Starter das Vertrauen schenkte, entpuppte sich als genialer Schachzug, der nun im ultimativen Triumph endete. Aus dem einstigen Sorgenkind der Liga ist endgültig eine Legende geworden.

Verwandte Beiträge