Über Cremona in die Ewige Stadt

Luka Dončić und Dirk Nowitzki haben in der Ewigen Stadt offenbar Großes vor: Der slowenische Superstar der Los Angeles Lakers und der beste deutsche Basketballer aller Zeiten sollen laut einem Bericht der New York Times Teil eines Konsortiums um den früheren Dallas-General-Manager Donnie Nelson sein. Demnach existiere eine vorläufige Vereinbarung zur Übernahme von Vanoli Basket Cremona, einem Klub aus der Lombardei mit Serie-A-Lizenz.

Diese Lizenz gilt als entscheidender Baustein: Nach derzeitigem Konzept sollen Teilnehmer der neuen NBA-Europe-Liga parallel auch im nationalen Wettbewerb antreten. Über das beschauliche Cremona verschafft sich die Investorengruppe somit die notwendige sportrechtliche und strukturelle Grundlage.

Perspektivisch ist ein Standortwechsel nach Rom vorgesehen. Die italienische Hauptstadt gilt aus NBA-Sicht als strategischer Wunschmarkt: groß, international und bislang ohne Erstligabasketball. Rund 500 Kilometer trennen das norditalienische Cremona von Rom. Zunächst soll strukturelle Stabilität geschaffen werden, anschließend ist geplant, die Marke in den deutlich größeren Markt der Hauptstadt zu überführen.

Während italienische Medien wie die Gazzetta Nowitzki und Doncic als Investoren nennen, widersprach NBA-Insider Marc Stein dieser Darstellung zunächst. Eine Anfrage von The Athletic ließ Nowitzki bislang unkommentiert.

NBA Europe nimmt konkrete Formen an

Das Investment fügt sich in die ambitionierten Expansionspläne der NBA ein. Gemeinsam mit dem Weltverband FIBA arbeitet die Liga an einer neuen europäischen Spielklasse mit acht bis zehn festen Teilnehmern sowie zwei bis vier Qualifikanten. Der Start ist für Herbst 2027 vorgesehen.

NBA-Commissioner Adam Silver bestätigte zuletzt in Berlin den angepeilten Zeitrahmen. Konkrete Standorte nannte die Liga offiziell nicht, doch Städte wie London, Paris, Madrid, Berlin, München, Mailand oder Rom werden seit Monaten gehandelt. Für einzelne Lizenzen kursieren Summen rund einer Milliarde US-Dollar.

Bei einer großangelegten Informationsveranstaltung in London trafen sich zuletzt Vertreter potenzieller Klubs, Investoren und Sponsoren. Laut The Athletic waren unter anderem Offizielle von Real Madrid Baloncesto, FC Barcelona Bàsquet, Olimpia Milano, Panathinaikos B.C. sowie aus Deutschland Alba Berlin und FC Bayern München Basketball vor Ort.

Neben Sportvereinen zielt die NBA mit ihrem Expansionskurs offenbar bewusst auch auf kapitalkräftige Staatsfonds und große Private-Equity-Gesellschaften, die als zentrale Finanzierungspartner für das Projekt infrage kommen.

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Wachstum

Das mögliche Engagement von Nowitzki und Dončić hätte vor allem symbolische Kraft. Ein aktiver Superstar und eine europäische NBA-Ikone als Mitinvestoren würden dem Projekt sportliche Glaubwürdigkeit und internationale Strahlkraft verleihen.

Gleichzeitig bleiben aktuell noch zentrale Fragen offen. Wie positioniert sich die neue Liga zur EuroLeague, aktuell sportlich führend in Europa? Welche Rolle übernimmt die FIBA Champions League als möglicher Unterbau? Und wird es ein geschlossenes Franchise-Modell geben oder doch europäische Elemente wie Auf- und Abstieg?

Nowitzki hatte in der Vergangenheit betont, dass ein europäisches Modell nicht eins zu eins dem nordamerikanischen Franchise-System folgen könne. Die Balance zwischen gewachsener Basketballtradition und wirtschaftlichem Wachstum dürfte für die Verantwortlichen des Projekts zu einer zentralen Herausforderung werden.

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