Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft steht bei den Olympischen Winterspielen mit dem Rücken zur Wand. Nach einer enttäuschenden Vorrunde und der deutlichen 1:5-Niederlage gegen die USA herrscht dicke Luft im Team um Superstar Leon Draisaitl. Vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel für das Viertelfinale gegen Frankreich am Dienstag (12:10 Uhr) wächst die Sorge vor einem vorzeitigen Aus und einer sportlichen Blamage.

Kritik an Einstellung und NHL-Fokus

Statt der erhofften Medaillen-Form präsentierte sich die DEB-Auswahl zuletzt desolat. Nach der Klatsche gegen die US-Amerikaner fand Kapitän Moritz Müller deutliche Worte und forderte ein Umdenken in der Mannschaft. „Man muss demütig genug sein, dass wir gegen jeden Gegner hier verlieren können. Das muss in unsere Köpfe rein“, mahnte der Routinier und kritisierte indirekt die Erwartungshaltung innerhalb des Gefüges.

Auch Tim Stützle, einer der wenigen Lichtblicke im deutschen Spiel, ließ seinem Frust freien Lauf. Der Stürmer der Ottawa Senators zeigte sich genervt von der medialen und internen Fixierung auf die Nordamerika-Legionäre. „Mir geht es ein bisschen auf den Keks, dass immer nur über NHL-Spieler geredet wird. Das interessiert keinen, wer wo spielt“, polterte der 22-Jährige. Stützle selbst ging sportlich voran und ist mit vier Treffern aktuell einer der erfolgreichsten Torschützen des Turniers, betonte jedoch den Wert des Kollektivs: „Wir sind eine Mannschaft, und die DEL-Spieler sind genauso wichtig wie wir alle.“

Draisaitl im Formtief und ratloser Trainer

Während Stützle trifft, sucht Leon Draisaitl noch nach seiner Dominanz. Der Ausnahmespieler der Edmonton Oilers erlebte gegen die USA einen rabenschwarzen Abend und blieb ohne Torschuss. Besonders bitter: Die US-Boys stellten die Brüder Matthew und Brady Tkachuk explizit auf den deutschen Spielmacher ab. Matthew Tkachuk nutzte die Gelegenheit nicht nur für harte Manndeckung, sondern auch für hämische Sprüche bezüglich Draisaitls bisher fehlendem Stanley-Cup-Erfolg: „Immer nur die Brautjungfer, niemals die Braut, was Leon?“

Von der deutschen Bank kamen in dieser Phase kaum Impulse, um den Starspieler zu entlasten. Bundestrainer Harold Kreis wirkte angesichts der gezielten Provokationen und der taktischen Ausrichtung des Gegners machtlos. „Was soll ich machen? Beide Tkachuks haben gegen Leon gespielt. Ich kann nichts machen“, kommentierte Kreis die Situation ernüchternd.

Der Geist von 2018 fehlt

Der Druck vor dem K.o.-Duell gegen Frankreich ist nun immens. Moritz Müller, der beim historischen Silber-Coup 2018 und der Vize-Weltmeisterschaft 2023 dabei war, sieht das aktuelle Team noch weit von der Klasse vergangener Tage entfernt. „Im Vorfeld ist viel darüber gesprochen worden, wie gut diese Mannschaft ist. Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe – das war 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen“, resümierte der Verteidiger. Gegen die Franzosen muss die DEB-Auswahl nun beweisen, dass sie dem eigenen Anspruch gerecht werden kann.

Verwandte Beiträge