Atletico Madrid muss in der Champions League nachsitzen und den Umweg über die Playoffs nehmen. Gegen den FC Brügge will das Team von Diego Simeone am Mittwochabend (21 Uhr) beweisen, dass der jüngste Leistungsabfall nur eine Momentaufnahme war und der Klub nach wie vor zur europäischen Elite gehört.

Fehlende Konstanz trotz Achtungserfolgen

Es ist eine paradoxe Saison für die „Colchoneros“. Einerseits zeigt die Mannschaft ihr unbestrittenes Potenzial in Spitzenspielen: Im Halbfinale der Copa del Rey wurde der FC Barcelona mit 4:0 abgefertigt, und auch der Stadtrivale Real Madrid musste sich in der Liga mit 2:5 geschlagen geben. Doch diese Highlights täuschen nicht darüber hinweg, dass dem Team aus der spanischen Hauptstadt die früher so gefürchtete Selbstverständlichkeit abhandengekommen ist.

Die nackten Zahlen des Jahres 2024 belegen diese Unwucht. Von zwölf Pflichtspielen gingen vier verloren, drei endeten unentschieden. Besonders in der Königsklasse leistete sich Atletico Madrid unnötige Patzer. Ein 1:1 gegen Galatasaray Istanbul und eine Niederlage gegen Bodö/Glimt kosteten am Ende die direkte Qualifikation für das Achtelfinale. Nun müssen die Madrilenen den mühsamen Weg über die Playoffs gegen den belgischen Vertreter FC Brügge gehen.

Der Anspruch: Vom Teilzeit-Riesen zurück zur Elite

Zwischen 2014 und 2021 zählte Atletico zu den absoluten Schwergewichten des europäischen Fußballs. Unter der Regie von Diego Simeone holte der Klub zwei Meisterschaften und erreichte zweimal das Finale der Champions League. Die Identität war klar definiert: eklig zu bespielen, defensiv stabil und maximal effizient. Diese Ära, geprägt von Spielern wie Antoine Griezmann oder den Hernandez-Brüdern, machte Atletico zu einem Gegner, den niemand ziehen wollte.

Inzwischen ist der Abstand zu den ganz Großen jedoch wieder gewachsen. Zwar landen die „Matratzenmacher“ – ein Spitzname, der auf die rot-weißen Trikots in den Farben alter spanischer Matratzen zurückgeht – in der Liga verlässlich auf den Rängen drei oder vier, doch der Anschluss an die absolute Spitze fehlt. Auch finanziell muss der Verein oft kreativ sein und teure Zugänge durch Spielerverkäufe refinanzieren. Das Ziel ist klar: Atletico will den Status als „Teilzeit-Riese“ ablegen und wieder dauerhaft Angst und Schrecken verbreiten.

Druck vor dem Duell gegen Brügge

Die Vorzeichen für das Hinspiel am Mittwoch sind gemischt. In der heimischen Liga sitzt Betis Sevilla den Madrilenen im Nacken, und die Generalprobe für den Europapokal ging mit einer deutlichen 0:3-Niederlage gründlich daneben. Diego Simeone ist nun gefordert, seine Mannschaft emotional und taktisch so einzustellen, dass gegen Brügge nicht das nächste Missverständnis folgt, sondern der erste Schritt zurück zur alten Stärke gelingt.

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