Das Schweigen ist gebrochen und die Anteilnahme ist riesig: Ronald Araujo hat offenbart, dass er über anderthalb Jahre unter massiven Angstzuständen und Depressionen litt. Nun hat sich Hansi Flick, Trainer des FC Barcelona, zu den bewegenden Worten seines Abwehrchefs geäußert und dabei überraschend selbstkritische Töne angeschlagen.

Der Auslöser: Ein Platzverweis als Hilferuf

Es war Ende November 2025, als die Situation in der Champions League gegen den FC Chelsea eskalierte. Nach einem Platzverweis beim 0:3-Debakel erkannte Ronald Araujo, dass er einen Wendepunkt erreicht hatte. Was für Außenstehende wie eine sportliche Enttäuschung aussah, war für den Uruguayer der Moment der Wahrheit.

„Ich fand mich auf dem Platz nicht wieder und wusste, dass etwas nicht stimmt. An diesem Tag wurde mir klar: Jetzt reicht es“, gestand der 26-Jährige nun im Interview mit der Mundo Deportivo. Der Innenverteidiger zog die Reißleine und suchte professionelle Hilfe. Über anderthalb Jahre hatte er zuvor bereits unter Angstzuständen gelitten, die sich schleichend zu einer Depression entwickelten – und dennoch stand er Woche für Woche auf dem Rasen.

Hansi Flick übt Selbstkritik: „Sind dafür verantwortlich“

Die Reaktion des Vereins war vorbildlich. Allen voran Sportdirektor Deco, aber auch Präsident Joan Laporta und das Trainerteam reagierten sofort. Am Mittwoch äußerte sich nun auch Hansi Flick detailliert zur Situation seines Schützlings. Der 60-jährige Coach lobte Araujo zwar als „sehr starken Menschen“, ging aber auch hart mit sich selbst und dem Staff ins Gericht.

„Wenn er sagt, dass er anderthalb Jahre in dieser Situation war, sind vielleicht auch wir dafür verantwortlich. Wir müssen uns um alle Spieler kümmern“, erklärte der deutsche Übungsleiter nachdenklich. Flick betonte, dass man als Trainer eine Fürsorgepflicht habe, die über das Sportliche hinausgehe: „Sicherlich gibt es Dinge, die nicht gut gemacht wurden.“

Zuspruch aus aller Welt für mutigen Schritt

Seit Ende Januar steht der Abwehrspieler wieder regelmäßig für die Katalanen auf dem Platz. Sein Schritt an die Öffentlichkeit hallte jedoch weit über Barcelona hinaus nach. Araujo berichtete von Nachrichten, die er von Kollegen aus Italien und Deutschland erhielt. Viele Profis gaben ihm gegenüber zu, Ähnliches durchlebt, es aber aus Angst vor Stigmatisierung oder Gehaltseinbußen verschwiegen zu haben.

Dass der Barça-Star dieses Tabu gebrochen hat, gibt ihm nun selbst Rückenwind: „Sie haben gesagt, dass ich mich nicht schämen soll und der Schritt mutig ist. Das gab mir sehr viel Kraft.“


Hinweis der Redaktion: Kreisen deine Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Leidest du unter Depressionen? Sprich bitte mit anderen Menschen darüber oder kontaktiere die Telefonseelsorge unter telefonseelsorge.de bzw. über die kostenlosen Hotlines 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222.

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