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FC Bayern-Trainer Vincent Kompany hat auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt. In einem zwölfminütigen Monolog verurteilte der Belgier die rassistischen Vorfälle um Real-Star Vinicius Jr. scharf und forderte einen tiefgreifenden strukturellen Wandel im Profifußball.
Eigentlich sind Pressekonferenzen an der Säbener Straße Routineveranstaltungen, bei denen es um Taktik, Aufstellungen und den nächsten Gegner geht. Doch vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Frankfurt nutzte Vincent Kompany die mediale Aufmerksamkeit für ein Thema, das weit über den Sport hinausgeht. Auslöser waren die Geschehnisse der vergangenen Woche in der Champions League zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid.
Dort war der brasilianische Ausnahmespieler Vinicius Jr. erneut Ziel rassistischer Anfeindungen geworden. Besonders schwer wogen für Kompany jedoch die Reaktionen nach dem Spiel: Jose Mourinho, Trainer der Gastgeber, hatte dem Opfer indirekt eine Mitschuld gegeben und dessen Torjubel als Provokation bezeichnet. Für den Münchner Übungsleiter ein inakzeptabler Vorgang.
Der 38-Jährige beließ es nicht bei allgemeinen Floskeln. Fast zwölf Minuten lang ordnete er das Geschehen ein und kritisierte die Mechanismen des „Victim Blaming“. Die Ethnologin und Rassismus-Expertin Rachel Etse lobte den Auftritt des Bayern-Coaches ausdrücklich. „Vincent Kompany hat als Trainer wirklich etwas Herausragendes gemacht“, analysierte Etse gegenüber der Sportschau. Er habe nicht nur die Tat auf dem Platz benannt, sondern vor allem den problematischen Umgang damit durch Verantwortliche wie Mourinho demaskiert.
Besonders eindringlich wurde der Appell dadurch, dass der ehemalige Weltklasse-Verteidiger seine professionelle Distanz aufgab. Kompany sprach offen über seine eigenen Erfahrungen als Schwarzer Profifußballer und machte sich, so Etse, bewusst „vulnerabel“. Durch diese historische Kontextualisierung verdeutlichte er, wie sehr solche Vorfälle die Lebensqualität der betroffenen Spieler beeinträchtigen.
Kompanys Rede legte zudem den Finger in eine Wunde, die der Fußball oft zu kaschieren versucht: die fehlende Diversität in den Führungsetagen. Während auf dem Rasen Multikulturalität längst Normalität ist, sieht es an der Seitenlinie und in den Vorständen anders aus. Kompany ist der erste Schwarze Cheftrainer in der Historie des FC Bayern München – ein Fakt, der bei seiner Verpflichtung kaum thematisiert wurde, aber symptomatisch für die Branche ist.
Mit seiner klaren Haltung hat Vincent Kompany bewiesen, dass er bereit ist, seine prominente Rolle beim deutschen Rekordmeister zu nutzen, um jenen Raum für Perspektiven zu schaffen, der im System Profifußball oft fehlt. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Weckruf auch über den Spieltag hinaus nachhallt.
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