Luciano Spalletti hat nach der heftigen 2:5-Niederlage von Juventus Turin bei Galatasaray Istanbul deutliche Worte gefunden. Im Hinspiel der Champions-League-Play-offs verspielte der italienische Rekordmeister eine zwischenzeitliche Führung und brach in der zweiten Halbzeit komplett ein, woraufhin der Cheftrainer seinem Team den Charakter absprach.

Einbruch am Bosporus: Vom 2:1 zum Debakel

Eigentlich schien der Abend in Istanbul einen positiven Verlauf für die Bianconeri zu nehmen. Nach einem frühen Rückstand zeigte Juventus zunächst Moral und drehte die Partie dank eines Doppelpacks von Teun Koopmeiners noch vor der Pause zum 2:1. Doch was als souveräner Auftritt begann, endete in einem Albtraum. Der türkische Spitzenklub nutzte eine schwache Phase der Italiener kurz vor dem Halbzeitpfiff als Initialzündung und überrollte die Gäste im zweiten Durchgang regelrecht.

Besonders die Schlussminuten der ersten Hälfte stießen Luciano Spalletti sauer auf. Zwar ging sein Team mit einer Führung in die Kabine, doch die Passivität in dieser Phase bezeichnete der Coach als den „Anfang vom Ende“. Das 2:5 lässt die Hoffnungen auf die nächste Runde in der Königsklasse nun auf ein Minimum schrumpfen.

Spalletti übt Grundsatzkritik: "Keinen Charakter mehr gezeigt"

Der ehemalige italienische Nationaltrainer, der das Amt bei Juventus im Oktober 2025 von Igor Tudor übernommen hatte, nahm nach dem Abpfiff kein Blatt vor den Mund. Gegenüber Sky Sport Italia analysierte der 66-Jährige die Leistung seiner Mannschaft schonungslos.

„Wir haben keinen Charakter mehr gezeigt“, kritisierte Spalletti. Vor allem die Art und Weise der Gegentore – einfache Fehler und haarsträubende Schnitzer in eigentlich ungefährlichen Situationen – sorgte für Unverständnis beim Übungsleiter. Sein vernichtendes Urteil: „Es war heute Abend nicht nur ein Schritt… Wir haben gleich drei Schritte zurück gemacht.“ Nach den zuletzt stabilen Leistungen unter seiner Regie stellt dieses Ergebnis einen herben Dämpfer für den eingeleiteten Aufwärtstrend dar.

Personalsorgen und ein unglücklicher Joker

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Juventus personell derzeit auf dem Zahnfleisch geht. In der Offensive fehlte es an Durchschlagskraft, da mit dem langzeitverletzten Dusan Vlahovic und dem muskulär angeschlagenen Jonathan David keine echten Stürmer zur Verfügung standen. Der als „falsche Neun“ aufgebotene Weston McKennie rieb sich auf, konnte aber kaum Akzente setzen, während Offensiv-Juwel Kenan Yildiz blass blieb.

Sinnbildlich für den gebrauchten Abend war der Auftritt von Juan Cabal. Spalletti wechselte ihn zur Pause für den rot-gefährdeten Andrea Cambiaso ein, um die Defensive zu stabilisieren. Der Plan ging nach hinten los: Cabal leistete sich zwei unnötige Fouls und flog in der 67. Minute selbst mit Gelb-Rot vom Platz. Spalletti wollte die Schuld jedoch nicht auf den Einzelspieler abwälzen: „Auch unabhängig von der Roten Karte hat das gesamte Team heute mehrere Schritte zurück gemacht.“

Keine Abkehr von der Spielphilosophie

Trotz der fünf Gegentore und der prekären Ausgangslage vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch (21 Uhr) will Spalletti nicht von seiner offensiven Ausrichtung abweichen. Der Versuch, das Ergebnis nur zu verwalten, entspreche nicht dem Spielermaterial der Alten Dame.

„Ich bin überzeugt, dass wir die Abwehr nur entlasten können, wenn wir es schaffen, Fußball zu spielen“, erklärte der Taktik-Fuchs. Ein „Verbarrikadieren“ werde es unter ihm nicht geben, da der Kader für eine reine Kontertaktik defensiv nicht sattelfest genug sei. Juventus muss im Rückspiel nun auf ein kleines Wunder hoffen, um das drohende Aus auf europäischer Bühne doch noch abzuwenden.

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