Im hohen Norden steht am Sonntag um 17:30 Uhr ein existenzielles Duell an: Werder Bremen empfängt den FC St. Pauli zum direkten Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Die Gäste aus Hamburg haben die Chance, mit einem Auswärtssieg an den Grün-Weißen vorbeizuziehen und die Krise an der Weser damit massiv zu verschärfen. Es ist mehr als nur ein Spiel um drei Punkte – es ist ein Kampf um den Klassenerhalt.

Brisante Ausgangslage: Not- statt Nordderby

Der Begriff "Nordderby" steht normalerweise für Tradition, Leidenschaft und Stolz. Doch vor diesem Aufeinandertreffen tituliert das Fachmagazin Kicker die Partie treffend als "Not-Derby". Die Tabelle lügt nicht: Werder Bremen belegt den Relegationsrang, der FC St. Pauli lauert als Vorletzter nur zwei Punkte dahinter. Ein Sieg der Hamburger würde die Rollen tauschen und Werder noch tiefer in den Abgrund reißen.

Während die Fan-Lager beider Vereine eine freundschaftliche Beziehung pflegen, wird auf dem Rasen keine Rücksichtnahme erwartet. Das letzte Aufeinandertreffen in einem Testspiel im Januar endete zwar mit einem ereignislosen 0:0, doch angesichts der prekären Lage rechnen Experten nun mit einem intensiven Schlagabtausch. Beide Mannschaften leiden unter offensiven Schwächen, müssen aber gewinnen, um sich Luft im Keller zu verschaffen.

Thioune versucht den Druck zu moderieren

Für Daniel Thioune, den neuen Cheftrainer der Bremer, ist die Situation alles andere als einfach. Er übernahm das Amt vor knapp drei Wochen von Steffen, doch der erhoffte Impuls blieb bislang aus. Nach zwei Niederlagen in zwei Spielen – zuletzt ein deutliches 0:3 gegen den Spitzenreiter FC Bayern München – wächst die Unruhe. Dennoch versucht der Coach, die Bedeutung dieser einzelnen Partie verbal etwas herunterzuschrauben.

„Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können, wir werden am Wochenende auch nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag“, betonte Thioune vor der Partie. Eine dritte Niederlage unter seiner Regie würde die Situation jedoch dramatisch zuspitzen, da der Verein tabellarisch den eigenen Ansprüchen weit hinterherhinkt. Seit mittlerweile zwölf Ligaspielen warten die Werderaner auf einen vollen Erfolg.

St. Pauli zwischen Hoffnung und Realismus

Auf der anderen Seite herrscht bei den Kiezkickern trotz der Tabellenposition eine gewisse Kampflust. Sportchef Andreas Bornemann, der auch in der schwierigen Hinrunde an Trainer Alexander Blessin festhielt, fordert vollen Fokus ohne Gedankenspiele. „Wir glauben nicht, dass sich unsere Chancen erhöhen, wenn wir noch mehr rein interpretieren oder anfangen, über Konsequenzen nachzudenken“, so Bornemann.

Die Hamburger kommen mit einem kleinen psychologischen Vorteil an die Weser: Vor zwei Wochen gelang ein achtungsvoller 2:1-Sieg gegen den Champions-League-Kandidaten VfB Stuttgart. Diesen Rückenwind will die Blessin-Elf nutzen, um den direkten Konkurrenten zu überholen. Bornemann fasst die Marschroute pragmatisch zusammen: Egal wie das Spiel ausgeht, die Saison ist danach nicht beendet. Doch klar ist: Der Sieger dieses Duells setzt ein massives Zeichen im Kampf um das sportliche Überleben.

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