Watzke attackiert FIFA wegen WM-Investoren – UEFA droht mit Boykott
Hans-Joachim Watzke und die UEFA stellen sich quer: Wegen umstrittener Investoren-Pläne der FIFA droht ein WM-Boykott.
Gianni Infantino treibt die Kommerzialisierung des Fußballs auf die nächste Stufe: Der Präsident des Weltverbandes FIFA plant, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Mit in Aussicht gestellten Millionen-Zahlungen an die Mitgliedsverbände will der Schweizer offenbar seine Machtbasis vor der kommenden Präsidentschaftswahl absichern.
Wer die Beweggründe hinter dem geplanten Investoren-Einstieg verstehen will, muss nur einen Blick auf die offizielle Kommunikation der FIFA werfen. Statt in die inhaltlichen Details zu gehen, lockt der Weltverband direkt mit enormen Summen. Sobald die Gremien dem Deal zustimmen, soll jeder Mitgliedsverband sofort 20 Millionen US-Dollar (rund 17,5 Millionen Euro) zusätzlich abrufen können. Für den kommenden WM-Zyklus bis 2030 wird eine Verdopplung der bisherigen Zahlungen auf weitere 20 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, mit dem Ziel, diese Beträge in Zukunft auf bis zu 24 Millionen Dollar zu steigern.
Diese Geldspritze ist ein mächtiges politisches Instrument. Da jeder der 211 Nationalverbände unabhängig von seiner Größe exakt dieselbe Summe erhält, wird schnell klar, an wen sich dieses Angebot richtet. Während die Beträge für große Player wie den Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine nette Zugabe sind, bedeuten sie für Verbände wie Andorra, Vanuatu oder die Turks- und Caicosinseln schlichtweg astronomische Budgets. Die FIFA rechtfertigt den Schritt damit, den Fußball auch in den kleinsten und abgelegensten Regionen massiv fördern zu wollen.
Der Zeitpunkt des Vorstoßes ist kein Zufall. Im kommenden Jahr stehen die FIFA-Präsidentschaftswahlen an. Da jeder Verband unabhängig von seiner sportlichen Relevanz genau eine Stimme besitzt, kauft sich Infantino mit dem Investoren-Geld de facto die absolute Loyalität der kleinen Nationen. Die anhaltende Kritik aus den großen europäischen Fußball-Nationen prallt somit weitgehend an ihm ab.
Dieses Gefühl der vollkommenen Unantastbarkeit teilt der 54-Jährige mit seinem Verbündeten Donald Trump. Ähnlich wie der ehemalige US-Präsident scheint auch der FIFA-Boss jegliches Schamgefühl abgelegt zu haben. Die Verleihung eines eigens kreierten FIFA-Friedenspreises an Trump unterstreicht, dass Infantino in Sachen politischer Inszenierung eigene Maßstäbe setzt.
Die geplante Ausgliederung von WM-Anteilen in eine neue Tochterfirma ist die konsequente Fortsetzung von Infantinos zentralem Credo: der absoluten Gewinnmaximierung. Bereits bei der Planung der Weltmeisterschaft 2026 zeigten sich diese Absichten deutlich. Obszöne Ticketpreise im vierstelligen Bereich und das direkte Mitverdienen der FIFA auf dem Zweitmarkt verdeutlichen, dass der Fußball zunehmend als reines Renditeobjekt betrachtet wird.
Während in Deutschland die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit einem ähnlichen Investoren-Modell am massiven Widerstand der organisierten Fanszene scheiterte, muss die FIFA solche Hürden nicht fürchten. Der Weltverband verspricht zwar, die Mehrheit der Anteile und damit das Sagen zu behalten, doch der Weg für externes Kapital ist damit endgültig geebnet.
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