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Gianni Infantino lenkt seit fast einer Dekade die Geschicke des Weltfußballs. In dieser Zeit hat der Schweizer eine bemerkenswerte diplomatische Wende vollzogen: Die USA, im Jahr 2015 noch der unerbittlichste juristische Gegner der FIFA, sind heute einer der wichtigsten Verbündeten des Verbandes. Mit Blick auf die anstehende Weltmeisterschaft in Nordamerika wirft diese Entwicklung ein bezeichnendes Licht auf die sportpolitischen Machtverhältnisse im modernen Fußball.

Die Razzia in Zürich und der tiefe Fall von Sepp Blatter

Der Wendepunkt datiert auf den frühen Morgen des 27. Mai 2015. Schweizer Polizisten betreten das Zürcher Nobelhotel Baur au Lac und verhaften im Auftrag von US-Behörden sieben hochrangige Funktionäre wegen massiven Korruptionsverdachts. Die Bilder der mit Bettlaken abgeschirmten Festgenommenen gehen um den Globus. Zu diesem Zeitpunkt gelten die Vereinigten Staaten als die größte Bedrohung für das etablierte, oft intransparente System des Weltfußballverbandes. Die amerikanischen Ermittler bringen ans Licht, was lange Zeit nur hinter vorgehaltener Hand vermutet wurde.

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Platinis Sperre öffnet die Tür für den UEFA-Mann

Während das juristische Beben die Führungsspitze um Präsident Sepp Blatter erschüttert, bringt sich Michel Platini in Stellung. Der damalige Chef der UEFA und ehemalige Weltklasse-Spieler gilt als logischer Nachfolger, scheitert jedoch an einer dubiosen Geldzahlung in Höhe von zwei Millionen Euro aus dem Jahr 2011. Da es für dieses angebliche Beraterhonorar keinen schriftlichen Vertrag, sondern nur einen Handschlag gab, stufen die Schweizer Ermittler die Zahlung als hochgradig verdächtig ein. Die FIFA-Ethikkommission sperrt in der Folge sowohl Blatter als auch den französischen Ex-Europameister, auch wenn beide Jahre später gerichtlich freigesprochen werden.

Eine lukrative Zweckgemeinschaft vor der WM 2026

Das unerwartete Machtvakuum an der Verbandsspitze ist die Geburtsstunde der Ära Gianni Infantino. Der damalige UEFA-Generalsekretär, dem zuvor kaum jemand ein derart prestigeträchtiges Amt zugetraut hätte, nutzt die Gunst der Stunde für eine weitreichende globale Wahlkampftour. Seit seiner erfolgreichen Kandidatur hat sich das Verhältnis zu den amerikanischen Behörden fundamental gewandelt. Vom einstigen Jäger der korrupten Funktionärselite sind die USA zum unverzichtbaren Verbündeten und Mit-Gastgeber der kommenden Weltmeisterschaft 2026 mutiert. Das Turnier, das gemeinsam mit Kanada und Mexiko ausgetragen wird, markiert den vorläufigen Höhepunkt einer erstaunlichen Annäherung.

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