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Der neue Modus der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bringt ein massives sportliches Problem mit sich. Da künftig auch die acht besten Gruppendritten in die K.o.-Phase einziehen, kennen die Mannschaften der zuletzt spielenden Gruppen am finalen Spieltag genau ihre Ausgangslage. Das öffnet taktischen Absprachen und strategischen Punkteteilungen Tür und Tor.

Der Konstruktionsfehler im neuen WM-Format

Besonders die Teams der späten Gruppen genießen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Wenn beispielsweise Österreich und Algerien in der abschließenden Partie aufeinandertreffen, wissen beide Nationen vor dem Anpfiff exakt, welche Ergebnisse für das Weiterkommen ausreichen. Ein Remis könnte beiden Teams vier Punkte bescheren. Eine Ausbeute, die nach den neuen Regularien für das Erreichen der nächsten Runde als einer der besten Gruppendritten nahezu sicher genügt.

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Taktisches Kalkül: Wenn der Sieg zum Nachteil wird

Die Problematik reicht noch tiefer in die Turniermathematik hinein und dürfte auch für Wettfreunde zu kuriosen Quotenverschiebungen führen. Der Modus kreiert Szenarien, in denen der dritte Tabellenplatz sportlich lukrativer ist als der zweite Rang. Ein Gruppenzweiter könnte im Sechzehntelfinale direkt auf einen Turnierfavoriten wie Spanien treffen, während der Gruppendritte ein vermeintlich leichteres Los wie Kanada oder Kolumbien erhält. Diese Konstellation provoziert ein unansehnliches Ballgeschiebe, bei dem beide Kontrahenten einen eigenen Sieg aktiv vermeiden wollen, um sich den besseren Weg durch den Turnierbaum zu sichern.

Die historische Vorbelastung durch die Schande von Gijon

Langjährige Beobachter fühlen sich unweigerlich an das Jahr 1982 erinnert. Damals besiegte die deutsche Nationalmannschaft die österreichische Auswahl am letzten Spieltag mit 1:0. Weil Algerien seine Vorrundenpartie bereits am Vortag absolviert hatte, reichte dieses exakte Ergebnis beiden europäischen Teams für das Weiterkommen. Die darauf folgende Arbeitsverweigerung ging als Schande von Gijon in die Fußballhistorie ein und zwang den Weltverband dazu, letzte Gruppenspiele fortan zeitgleich anzupfeifen.

Durch das auf 48 Teams erweiterte Teilnehmerfeld und das Ranking der Drittplatzierten droht nun bei der kommenden Endrunde ein ähnliches Szenario unter neuen Vorzeichen. Zwar zeigten vergangene Turniere durch das passiv verwaltete Unentschieden zwischen Frankreich und Dänemark oder Japans Zeitspiel auf Basis der Fair-Play-Wertung 2018, dass kein Format völlig immun gegen strategisches Kalkül ist. Der kommende Modus hebt das Risiko für sportlich fragwürdige Partien am Ende der Gruppenphase jedoch auf ein völlig neues Level.

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