Das Rätselraten um die Bedeutung dieses Spiels ist schnell gelöst: Für die SG Flensburg-Handewitt und den THW Kiel ist die European League der letzte verbliebene Strohhalm in dieser Saison, um einen Titel zu gewinnen und sich doch noch für die Champions League zu qualifizieren. In der 114. Auflage des legendären Landesderbys am Dienstagabend (18.45 Uhr) in der „Hölle Nord“ geht es somit um weit mehr als nur Prestige und den perfekten Start in die Hauptrunde.

Todesgruppe 1: Keine Zeit für Fehler

Die Auslosung hätte kaum pikanter sein können. In der Gruppe 1 treffen die beiden deutschen Schwergewichte auf den Vorjahrsfinalisten Montpellier HB und den spanischen Top-Klub Bidasoa Irun. SG-Kapitän Johannes Golla bringt die Schwere der Aufgabe auf den Punkt: „Wer in dieser Gruppe auf Platz eins landet, hat den direkten Einzug ins Viertelfinale wirklich verdient.“

Der Modus verzeiht keine Schwächen. Nur der Gruppensieger überspringt die Play-off-Runde und zieht direkt in das Viertelfinale ein. Die Ausgangslage ist für beide Nord-Rivalen jedoch vielversprechend: Da die Punkte aus der Vorrunde gegen die qualifizierten Gegner mitgenommen werden, starten sowohl der Titelverteidiger aus Flensburg als auch die „Zebras“ mit der maximalen Ausbeute von vier Punkten in diese heiße Phase.

Flensburgs Serie und Kiels Personalsorgen

Psychologisch gehen die Hausherren mit breiter Brust in das Duell. Die letzten fünf Aufeinandertreffen konnte die SG für sich entscheiden, zuletzt gab es im Oktober einen spektakulären 36:34-Sieg. THW-Kreisläufer Lukas Laube erinnert sich trotz der Niederlage gern an die Atmosphäre: „Da war eine Riesenstimmung, ich freue mich wahnsinnig darauf. Es wird keine Rolle spielen, ob es Bundesliga oder European League ist.“

Allerdings haben beide Teams kaum Zeit zum Durchatmen. Nur rund 48 Stunden liegen zwischen den Ligaspielen am Sonntag und dem internationalen Showdown. Während Flensburg zwei Punkte aus Hamburg entführte, gelang den Kielern ein echter Achtungserfolg gegen den bis dato ungeschlagenen SC Magdeburg (31:29). THW-Coach Filip Jicha sieht das Derby als „Belohnung“, muss jedoch um seine Stars bangen: Andreas Wolff, Harald Reinkind und Elias Ellefsen á Skipagötu sind angeschlagen, ihr Einsatz ist fraglich.

Der einzige Weg in die Königsklasse

Die Brisanz des Spiels wird durch den Blick auf die Tabelle der Daikin HBL noch verstärkt. Da der SC Magdeburg und die Füchse Berlin enteilt sind und auch das Final Four im DHB-Pokal ohne Nord-Beteiligung stattfindet, ist die European League die letzte verbliebene Bühne für Silberware. Mehr noch: Durch die Reform der Champions League bietet der Titelgewinn in diesem Wettbewerb einen direkten Hintertür-Einstieg in die Königsklasse der kommenden Saison. Ein Ziel, das für beide Klubs oberste Priorität hat.

Verwandte Beiträge