Der Norweger Einar Hedegart hat bei den Olympischen Winterspielen in Italien für eine der größten Überraschungen gesorgt. Der ehemalige Biathlet sicherte sich nicht nur die Bronzemedaille über 10 Kilometer, sondern krönte seine Leistung mit Gold in der Herren-Staffel. Trotz dieser historischen Erfolge lässt der Senkrechtstarter offen, ob seine Zukunft tatsächlich im Langlauf liegt oder eine Rückkehr zum Biathlon ansteht.

Vom Biathlon-Hinterbänkler zum Olympiasieger

Die Geschichte von Einar Hedegart liest sich wie ein modernes Wintersport-Märchen. Noch in der Saison 2024/25 war der Norweger primär als Biathlet aktiv, allerdings mit überschaubarem Erfolg. Bei der Europameisterschaft, oft als zweite Reihe der Weltspitze angesehen, landete er im Sprint mit fünf Schießfehlern lediglich auf dem 77. Platz. Auch läuferisch konnte er damals nicht mit der Spitze mithalten und kassierte über eine Minute Rückstand auf der Loipe.

Nur ein Jahr später hat sich das Blatt komplett gewendet. Der Skandinavier zählt mittlerweile zu den besten Skating-Läufern der Welt. Selbst Ausnahmekönner Johannes Hösflot Kläbo hatte in der laufenden Saison oft das Nachsehen gegen den Quereinsteiger – lediglich beim olympischen Zehn-Kilometer-Rennen konnte sich der Superstar vor Hedegart platzieren, der sich dennoch sensationell Bronze sicherte. "Es fühlt sich großartig an. Das ist der größte Erfolg meines Lebens", strahlte der frischgebackene Staffel-Olympiasieger nach dem Rennen in Tesero.

Spannungen im norwegischen Lager: "Nicht allzu toll gefunden"

Dass ein Athlet, der sich erst im vergangenen Sommer voll auf den Langlauf fokussierte, die etablierte Weltspitze düpiert, sorgte im mutterland des Nordischen Skisports für reichlich Gesprächsstoff. Die norwegische Boulevardzeitung Verdens Gang stellte provokant die Qualität der eigentlichen Nationalmannschaft infrage. Auch intern war die Stimmung anfangs angespannt.

"Die ersten Male, als ich sie geschlagen habe, haben sie das nicht allzu toll gefunden", gibt Hedegart offen zu. Mittlerweile habe sich die Situation jedoch entspannt. Die Akzeptanz im Team wuchs mit jedem Rennen, und es sei "immer weniger komisch geworden", einen Ex-Biathleten auf dem Podium zu sehen. Sein Durchbruch gelang ihm ursprünglich beim "Blinkfestival" in Sandnes, wo er aus Mangel an Teamkollegen im Langlauf-Sprint startete und prompt gewann.

Zukunft offen: Bleibt der "Kindheitstraum" Biathlon?

Trotz des olympischen Goldes und der Etablierung in der Weltspitze ist der Verbleib von Hedegart im Speziallanglauf keineswegs sicher. Der Wechsel zum Privatteam "Anlegg Öst Entreprenör" war ursprünglich ein Experiment. Der Norweger betont weiterhin, dass Biathlon sein eigentlicher "Kindheitstraum" sei. Ob die Goldmedaille von Italien diese Pläne dauerhaft ändert, werden die kommenden Wochen zeigen.

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