Mikaela Shiffrin steht vor ihrem letzten Auftritt bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina. Am Mittwoch greift die erfolgreichste Skirennläuferin der Geschichte im Slalom nach der Goldmedaille, um ihren Frieden mit Olympia zu schließen und eine lange Durststrecke bei Großereignissen zu beenden.

Favoritenrolle im Slalom: Die Zahlen sprechen für Shiffrin

Wenn am Mittwochmorgen um 10 Uhr der Startschuss zum olympischen Slalom fällt, richten sich alle Augen auf die mittlerweile 30-jährige US-Amerikanerin. Rein statistisch führt kein Weg an ihr vorbei: Von den letzten elf Weltcup-Slaloms gewann Shiffrin neun und landete in den verbleibenden zwei Rennen auf dem Podium (Platz zwei und drei). Mit insgesamt 108 Weltcupsiegen und 166 Podestplatzierungen in 298 Rennen ist sie zweifellos die Dominatorin des Skisports. Doch Großereignisse folgen oft ihren eigenen Gesetzen.

Olympia-Trauma und die Hoffnung auf das Happy End

Die Beziehung zwischen der Ausnahmeathletin und den fünf Ringen ist komplex. Ihr Stern ging am 21. Februar 2014 in Sotschi auf, als sie mit 18 Jahren zur jüngsten Slalom-Olympiasiegerin der Geschichte avancierte. Nach Gold und Silber 2018 folgte jedoch der Bruch: In Peking 2022 ging sie in sechs Rennen an den Start, schied dreimal aus und blieb gänzlich ohne Edelmetall. Auch bei den aktuellen Spielen in Italien lief es bisher nicht rund. Zuletzt ging der US-Star in acht olympischen Rennen in Folge leer aus, im Riesenslalom von Cortina reichte es trotz nur drei Zehnteln Rückstand aufs Podium lediglich zu Rang elf.

Fokus auf das Team statt auf den eigenen Ruhm

Um dem immensen Erwartungsdruck entgegenzuwirken, hat Shiffrin ihre mentale Herangehensweise angepasst. Sie stellt sich bewusst in den Dienst der Mannschaft und würdigt die Leistungen anderer, statt sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Besonders emotional reagierte sie auf den Abfahrts-Olympiasieg ihrer Teamkollegin Breezy Johnson.

Nach Johnsons Triumph hielt Shiffrin eine bewegende Rede vor dem US-Team: „Es ist beeindruckend, wie Du alle Hürden der Vergangenheit bewältigt hast. Deine Medaille hat eine viel größere Bedeutung als alle meine Medaillen.“ Damit spielte sie auf Johnsons schwere Verletzungen, das öffentliche Outing und eine Dopingsperre an. Auch nach ihrem eigenen elften Platz im Riesenslalom lobte Shiffrin vor allem die Konkurrenz für die „größte Show seit langem“ und betonte das hohe sportliche Niveau, anstatt mit ihrem Schicksal zu hadern. Am Mittwoch hat sie nun die Gelegenheit, diese Haltung mit einem eigenen sportlichen Ausrufezeichen zu krönen.

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