Das erste Aufatmen ist erlaubt, doch die Leidenszeit ist noch lange nicht vorüber: Lindsey Vonn darf das Krankenhaus im italienischen Treviso verlassen. Die 41-jährige US-Amerikanerin tritt die Reise in die Heimat an, wo jedoch keine Entspannung, sondern weitere komplexe Operationen auf die schwer verletzte Abfahrts-Königin warten.

Rücktransport unter medizinischer Aufsicht

Die Organisation des Rückflugs läuft auf Hochtouren. Wie Sophie Goldschmidt, die Chefin des US-Skiteams, gegenüber der Nachrichtenagentur AP bestätigte, wird die Rekordsiegerin auf ihrem Weg in die USA von einem medizinischen Spezialteam begleitet. „Wir sind gerade dabei, das alles zu organisieren“, so Goldschmidt. In der Heimat angekommen, steht der Sportlerin der nächste schwere Gang bevor: Aufgrund der Schwere der Schienbeinverletzung, die sie sich beim Sturz in Cortina d'Ampezzo zugezogen hat, sind weitere chirurgische Eingriffe unumgänglich.

Die Verletzung gilt als äußerst kompliziert. Zuletzt schockte die Speed-Spezialistin ihre Fans mit einem Foto, das ihr Bein in einem externen Fixateur zeigte – einem Metallgestell, das die gebrochenen Knochen von außen stabilisiert. Dass nach der Erstversorgung nun weitere Operationen folgen, ist bei derartigen Traumata medizinischer Standard, verdeutlicht aber die Schwere des Vorfalls.

Emotionales Statement: "Es war den Sturz wert"

Trotz der Schmerzen und der drohenden Reha-Monate zeigt sich die Olympiasiegerin von 2010 kämpferisch und ohne Reue. Vonn betonte, dass sie trotz ihrer bekannten Vorgeschichte – inklusive Kreuzbandriss – physisch und psychisch bereit für das Risiko der olympischen Abfahrt war. „Mental war ich perfekt. Klar, fokussiert, hungrig, aggressiv und doch völlig ruhig“, beschrieb die 41-Jährige ihren Zustand vor dem Start.

In einem emotionalen Statement machte sie deutlich, dass der Sport für sie über dem Risiko steht: „Es war den Sturz wert.“ Sie habe nachts keine Probleme, die Augen zu schließen, da die Liebe zum Skifahren ungebrochen sei. Auch wenn man sich unbesiegbar fühle, habe am Ende immer der Berg „alle Karten in der Hand“.

Droht das endgültige Karriereende?

Während Vonn bereits davon träumt, „wieder oben auf dem Berg stehen“ zu können, zeichnet ihr engstes Umfeld ein düsteres Bild für ihre sportliche Zukunft im Weltcup. Ihr Vater Alan Kildow fand unmittelbar nach dem Unfall drastische Worte. „Sie ist 41 Jahre alt, und das ist das Ende ihrer Karriere“, sagte Kildow und fügte eine klare Ansage hinzu: „Solange ich da noch ein Wörtchen mitzureden habe, wird Lindsey Vonn keine Skirennen mehr fahren.“ Ob der Wille der Ausnahmeathletin oder die Vernunft des Umfelds siegen wird, werden die kommenden Monate zeigen.

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