Laura Nolte hat bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d'Ampezzo die Silbermedaille im Monobob gewonnen. In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale musste sich die 27-Jährige am Montagabend der US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor geschlagen geben. Lediglich vier Hundertstelsekunden trennten die deutsche Medaillenhoffnung am Ende vom Olympiasieg. Bronze ging an Meyers Taylors Landsfrau Kaillie Armbruster Humphries.

Hauchdünne Entscheidung im vierten Lauf

Es war ein echter Krimi im Cortina Sliding Centre. Die Ausgangslage vor dem entscheidenden Tag hätte kaum spannender sein können: Laura Nolte ging als Führende in die letzten beiden Läufe. Doch die Konkurrenz aus den USA erhöhte den Druck massiv. Nachdem der Vorsprung der Weltcup-Dominatorin bereits im dritten Durchgang auf 15 Hundertstelsekunden geschmolzen war, fiel die Entscheidung im vierten und letzten Lauf.

Hier zeigten sich Nerven und Eiskanal von ihrer gnadenlosen Seite. Nolte leistete sich einige Bandenberührungen zu viel, was auf der anspruchsvollen Bahn entscheidende Zeit kostete. Die routinierte Elana Meyers Taylor nutzte diese Fehler eiskalt aus und zog buchstäblich auf den letzten Metern noch an der Deutschen vorbei. Für Nolte blieb der undankbare, aber dennoch hochklassige Silberrang.

Tränen statt Jubel: Nolte hadert mit verpasstem Gold

Die erste Reaktion im Zielbereich war von tiefer Enttäuschung geprägt. Statt über ihre zweite olympische Medaille zu jubeln, flossen bei der Winterbergerin Tränen. Zu greifbar nah war der erste Olympiasieg im Monobob gewesen, nachdem sie bei der Premiere in Peking 2022 noch Vierte geworden war.

„Ich war bereit, ich habe alles gegeben, aber irgendwie sollte es nicht sein“, erklärte eine emotionale Nolte nach dem Rennen. Bundestrainer René Spies ordnete die Leistung seiner Athletin jedoch sofort positiv ein: „Für mich hat sie nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen.“ Dennoch gab auch er zu, dass es bitter sei, wenn man so lange am Gold schnuppere und es am Ende nicht mache.

Historischer Sieg für Meyers Taylor

Während im deutschen Lager Trauerarbeit geleistet wurde, schrieb die Siegerin Geschichte. Mit 41 Jahren krönte sich Elana Meyers Taylor zur ältesten Bob-Olympiasiegerin aller Zeiten. Für die US-Amerikanerin ist es die insgesamt sechste Olympiamedaille, aber das lang ersehnte erste Gold ihrer Karriere.

Für das deutsche Team bedeutet Noltes zweiter Platz die zwölfte Medaille im neunten Rennen der Winterspiele in Italien. Auch bei den Männern sieht es vielversprechend aus: Im Zweierbob führt Johannes Lochner zur Halbzeit das Feld an, dicht gefolgt von Rekordchampion Francesco Friedrich.

Topfavoritin im Zweier: Nächste Chance mit Deborah Levi

Viel Zeit zum Hadern bleibt Laura Nolte nicht, denn die nächste Gold-Chance wartet bereits. Im Zweierbob geht sie als Titelverteidigerin an den Start. Gemeinsam mit ihrer Anschieberin Deborah Levi gilt sie nach fünf Siegen in sieben Weltcup-Rennen dieser Saison als absolute Topfavoritin.

Am kommenden Freitag und Samstag will das Duo im großen Schlitten das nachholen, was im Monobob so knapp verwehrt blieb: den Sprung auf das oberste Treppchen.

Verwandte Beiträge