Tatjana Paller hat bei der olympischen Premiere des Skibergsteigens eine Sensation knapp verpasst. Die Starnbergerin belegte im Sprint-Wettbewerb in Bormio den vierten Platz und musste sich im Kampf um Bronze um rund drei Sekunden geschlagen geben. Während Paller leer ausging, schrieb Marianne Fatton Geschichte: Die Schweizerin sicherte sich das erste Gold in dieser Disziplin.

Schweizer Jubel in Bormio – Paller startet Aufholjagd zu spät

Das Finale am Donnerstag (19.02.2026) bot Dramatik bis zum Schluss. Marianne Fatton setzte sich mit einer Zeit von 2:59,77 Minuten die Krone auf und verwies die französische Top-Favoritin Emily Harrop (+ 2,38 Sekunden) auf den Silberrang. Bronze ging an die Spanierin Ana Alonso Rodríguez (+ 10,45 Sekunden). Für Tatjana Paller, die als einzige deutsche Athletin das Finale der besten Sechs erreichte, blieb mit einem Rückstand von 3,04 Sekunden auf das Podium nur der undankbare vierte Platz.

Die 30-jährige Bayerin startete taktisch aus einer hinteren Position in das Rennen. Beim ersten Wechsel, dem Übergang vom Aufstieg mit Fellen zur Tragepassage, lag Paller noch auf dem letzten Rang. Zwar spielte sie ihre physische Stärke in der zweiten Rennhälfte aus und konnte noch zwei Konkurrentinnen überholen, doch für den Sprung auf das Treppchen reichte die Aufholjagd auf dem anspruchsvollen Kurs in Bormio nicht mehr ganz.

Weltmeisterin schlägt Weltcup-Dominatorin

Der Kampf um Gold entwickelte sich zu einem Duell der Gigantinnen. Emily Harrop, die in der Szene als das Maß aller Dinge gilt und sowohl den Gesamt- als auch den Sprint-Weltcup jeweils viermal gewinnen konnte, zog bei einem Großereignis erneut den Kürzeren. Wie bereits bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr musste sie Marianne Fatton den Vortritt lassen. Die Schweizerin bestätigte ihren Ruf als Frau für die großen Momente und trug sich als erste Olympiasiegerin im Skibergsteigen in die Geschichtsbücher ein.

Deutsches Duo scheitert knapp in den Vorläufen

Neben Paller waren mit Finn Hösch und Helena Euringer zwei weitere deutsche Hoffnungen im SkiMo-Sprint am Start, mussten ihre Träume jedoch bereits vor dem Finale begraben. Der 23-jährige Hösch schied als Vierter seines Vorlaufs aus. Ihm fehlten 3,8 Sekunden zum Halbfinal-Einzug. Hösch haderte im Anschluss mit der Materialwahl und gab an, bei der Abfahrt Probleme mit dem Neuschnee gehabt zu haben.

Noch bitterer verlief der Tag für Helena Euringer. Das 19-jährige Nachwuchstalent zeigte eine starke Leistung, verpasste das Halbfinale in ihrem Lauf jedoch um winzige 1,07 Sekunden. Trotz des Ausscheidens unterstrichen beide Athleten das Potenzial des deutschen Teams in dieser jungen olympischen Sportart.

Hintergrund: So funktioniert der SkiMo-Sprint

Der Sprint im Skibergsteigen, international oft als SkiMo (Ski Mountaineering) bezeichnet, ist ein hochintensiver Wettkampf über rund drei Minuten. Auf einem 750 Meter langen Parcours müssen die Athleten 70 Höhenmeter überwinden. Der Kurs beinhaltet steile Aufstiege mit Fellen unter den Skiern, eine Tragepassage zu Fuß über Treppen und eine rasante Abfahrt durch einen Riesentorlauf-Kurs mit Sprung – und das alles auf ultraleichten Skiern. Am kommenden Samstag bietet sich im Mixed-Wettkampf die nächste Chance auf Edelmetall.

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