Das deutsche Olympia-Team hat die Winterspiele in Italien mit einer durchwachsenen Bilanz beendet und die eigenen Erwartungen verfehlt. Mit einer Ausbeute von insgesamt 26 Medaillen, darunter achtmal Gold, verpasste die DOSB-Delegation das ausgegebene Ziel einer Platzierung unter den besten drei Nationen und landete im Medaillenspiegel lediglich auf dem fünften Rang. Chef de Mission Olaf Tabor sprach zum Abschluss der Wettbewerbe von einer Mischung aus „Freude, Stolz und einer kleinen Prise Ernüchterung“.

Rekord an vierten Plätzen sorgt für „Blech-Pech“

Die Stimmung im deutschen Lager wurde maßgeblich durch eine historische Häufung an knappen Niederlagen getrübt. Ganze 14 Mal landeten Athleten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auf dem undankbaren vierten Platz – eine Bilanz, die keine andere Nation bei diesen Spielen vorzuweisen hat. Olaf Tabor bezeichnete diese Serie als schmerzhaft, da die Entscheidungen oft „irgendwo zwischen Drama und Tragödie“ abgelaufen seien.

Sinnbildlich für das „Blech-Pech“ der Wintersport-Nation stand das Biathlon-Team. Nach Platz vier im Massenstart erhielt der sichtlich geknickte Philipp Horn von seinen Kollegen eine selbstgebastelte Pappe-Plakette mit der Aufschrift „Sieger der Herzen“. Doch diese Geste konnte kaum darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft den eigenen Ansprüchen hinterherlief. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) konstatierte nüchtern, man sei den Zielen „nicht gerecht geworden“.

Felix Neureuther kritisiert Abhängigkeit vom Eiskanal

Während Nationen wie Norwegen, die USA und Gastgeber Italien ihre Chancen konsequent nutzten, offenbarten die Spiele eine eklatante Abhängigkeit der deutschen Mannschaft von den Kufensportarten. Fast drei Viertel aller Medaillen wurden im Cortina Sliding Centre errungen. Zum Vergleich: In Peking 2022 stammten noch 16 von 27 Plaketten aus dem Eiskanal, nun musste sich der DOSB fast ausschließlich auf Rodler, Skeletonis und Bob-Piloten verlassen.

Diese Entwicklung bereitet Beobachtern Sorgen. ARD-Experte Felix Neureuther fand deutliche Worte für die Einseitigkeit der Erfolge: „Wenn man den Eiskanal mal ausgrenzt und den Medaillenspiegel betrachtet, dann spielen wir international einfach keine Rolle mehr.“ Der ehemalige Skirennläufer bezeichnete die Situation des deutschen Leistungssports sogar als „alarmierend“.

Rodler und Bob-Asse als verlässliches Rückgrat

Trotz der Kritik an der fehlenden Breite verteidigte der Leistungssport-Vorstand die Spezialisierung. Für Tabor ist es eine „beruhigende Nachricht“, mit der Eisbahn eine absolute Domäne zu besitzen, die er als „Rückgrat im Winter“ bezeichnete. Er verwies dabei auf andere Nationen wie die Niederlande, die ihre Erfolge fast ausschließlich im Eisschnelllauf feiern.

Sportlich sorgten vor allem die Rodler für die Glanzlichter der Spiele. Julia Taubitz und Max Langenhan sicherten sich Gold in den Einzelwettbewerben. Historisches gelang zudem den Doppelsitzern Tobias Wendl und Tobias Arlt, die mit Staffelsieg ihren siebten Olympiasieg feierten und damit einen neuen deutschen Winter-Rekord aufstellten. Auch im Bobbereich trugen Athleten wie Johannes Lochner maßgeblich dazu bei, dass die Gesamtbilanz trotz der verpassten Top-3-Platzierung zumindest in der Anzahl der Medaillen fast das Niveau von Peking erreichte.

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