Nach dem historischen Medaillen-Aus der deutschen Biathlon-Frauenstaffel bei den Olympischen Spielen hat Eurosport-Experte Michael Rösch deutliche Worte gefunden. Der ehemalige Olympiasieger zeigte sich nach der entscheidenden Strafrunde von Franziska Preuß emotional angefasst, hinterfragte jedoch auch die Aufstellung des Deutschen Skiverbandes (DSV) kritisch.

Historisches Tief für deutsche Staffeln

Das Ergebnis markiert einen negativen Meilenstein in der deutschen Biathlon-Geschichte: Erstmals überhaupt blieben bei Olympischen Spielen sowohl die Männer- als auch die Frauen-Staffel ohne Edelmetall. Eingeleitet wurde das Fiasko im Frauenrennen durch Franziska Preuß. Die erfahrene Bayerin, die das DSV-Quartett in Führung liegend übernommen hatte, erlebte am Schießstand ein Drama. Im Stehendanschlag verfehlte sie die Scheiben und musste in die Strafrunde abbiegen – ein Rückschlag, von dem sich das Team nicht mehr erholte.

Rösch leidet mit: „Zu 80 Prozent Kopfsache“

Michael Rösch, der das Rennen als Experte begleitete, zeigte sich nach dem Zieleinlauf „sprachlos und traurig“. Zwar analysierte er die Fakten schonungslos – „Es steht klar auf dem Papier, wer die Strafrunde geschossen hat“ –, doch sein Mitgefühl galt vor allem der Athletin selbst. „Franzi ist das hintenraus jetzt schon mehrfach passiert, das tut mir sehr leid für sie“, so der 40-Jährige. Für ihn ist Biathlon „zu 80 Prozent Kopfsache“, und aus einem solchen mentalen Loch wieder herauszukommen, sei extrem schwierig.

Dass Preuß nach dem Rennen wortlos in Richtung Hotel flüchtete und Interviews mied, konnte der Ex-Profi vollends nachvollziehen. „Es ist unheimlich schwer, da nochmal über den eigenen Schatten zu springen“, erklärte Rösch und gab zu, in seiner aktiven Zeit ebenfalls das ein oder andere Mal die Mixed Zone gemieden zu haben.

Kritik an der Aufstellung: War Position zwei ein Fehler?

Neben der mentalen Komponente stand vor allem die Taktik der Trainer im Fokus der Kritik. Um Preuß den Druck des letzten Schießens als Schlussläuferin zu nehmen, wurde sie auf Position zwei gesetzt. Ein Plan, der laut Rösch Fragen aufwirft. „Die Aufstellung war überraschend und ich habe echt ein bisschen überlegt, wieso, weshalb, warum“, gestand der Experte.

Rösch hätte eine andere Rotation bevorzugt: „Ich hätte sie auf drei gesetzt, nicht auf Schluss – damit bin ich absolut einverstanden.“ Dass der taktische Kniff des Trainerteams letztlich nicht aufging und in der Strafrunde endete, verschärft die Diskussion um die strategische Ausrichtung des DSV bei diesen Winterspielen.

Letzte Chance im Massenstart

Viel Zeit zur Verarbeitung bleibt nicht. Im abschließenden Massenstart am Samstag bietet sich für Franziska Preuß die letzte Gelegenheit, doch noch um olympisches Edelmetall zu kämpfen. Die Marschroute des Experten ist dabei simpel, aber risikoreich: „Knallgas und gucken, ob es funktioniert“, fordert Rösch. Sollte auch dieser Versuch scheitern, „ist das Kapitel Olympia vorbei“.

Verwandte Beiträge