Nach den olympischen Wettbewerben in Predazzo zieht Werner Schuster eine deutliche Bilanz. Der ehemalige Bundestrainer und heutige Eurosport-Experte analysiert die Ausbeute der deutschen Skispringer und sieht trotz der Goldmedaille von Philipp Raimund dringenden Handlungsbedarf für die Zukunft des DSV-Teams.

Gemischtes Fazit trotz Raimund-Gold

Die Medaillenausbeute der deutschen Skispringer fiel bei den Wettbewerben in Predazzo überschaubar aus. Lediglich eine einzige Plakette konnten die DSV-Adler mit nach Hause nehmen – diese glänzte dafür golden. Philipp Raimund sorgte auf der Normalschanze für den sportlichen Höhepunkt aus deutscher Sicht.

Für Werner Schuster fällt das Gesamtfazit daher zwiespältig aus. „Man muss froh sein, wenn man eine Medaille macht“, erklärte der Experte. Der Sieg von Raimund sei eine Überraschung gewesen, mit der „man nicht gerechnet“ habe. Diese unerwartete Goldmedaille sorge dafür, dass seine Bilanz „leicht positiv“ ausfalle, obwohl die Leistung insgesamt „nicht perfekt“ gewesen sei. Insbesondere die deutschen Skispringerinnen sind nach Ansicht Schusters „unter den Möglichkeiten geblieben“.

Routiniers in der Pflicht: Der schwierige Generationenwechsel

Der Blick des langjährigen Erfolgstrainers richtet sich jedoch nicht nur zurück, sondern vor allem auf die strukturelle Zukunft des Teams. Schuster mahnt Veränderungen an: „Jetzt muss man schauen, dass man den Umbruch schafft.“

Sorgen bereitet dabei die Altersstruktur der Leistungsträger. Mit Pius Paschke (35), Karl Geiger (33) und Andreas Wellinger (30) gehören die Stützen des Teams nicht mehr zur jungen Garde. Laut Schuster hätten diese Athleten „zu lange gebraucht, bis sie in die Saison hineingefunden haben“. Die Hoffnung des Experten ruht darauf, dass die erfahrenen Springer den Übergang noch aktiv mitgestalten können, denn Nachwuchs auf Weltklasse-Niveau ist rar gesät.

„Wellinger ist noch nicht so alt wie Kamil Stoch und auch Geiger ist definitiv noch in einem Alter, in dem man gut springen kann“, ordnete Schuster ein. Er warnte jedoch auch vor zu hohen Erwartungen an schnelle Lösungen: „Gleichzeitig arbeitet man mit Hochdruck an neuen Namen, aber die fallen nicht vom Himmel.“

Blick auf die internationale Konkurrenz

Wie ein gelungener Start junger Talente aussehen kann, demonstrierten die Polen. Der erst 19-jährige Kacper Tomasiak sicherte sich gleich drei Medaillen. Schuster bezeichnete die Leistung des Youngsters als „herausragend“.

Andere Top-Nationen hatten hingegen mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Der japanische Superstar Ryoyu Kobayashi blieb laut Schuster „klar unter Wert“ und fand nie richtig in die Wettbewerbe. Auch für den österreichischen Dominator Stefan Kraft setzten sich die olympischen Enttäuschungen fort. „Das ist wirklich eine tragische Geschichte“, kommentierte Schuster das Abschneiden des 32-Jährigen, der trotz jahrelanger Weltspitze bei Olympia erneut seine Form nicht abrufen konnte.

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