12

Nach dem erneuten WM-Desaster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und dem Rücktritt von Julian Nagelsmann befindet sich der DFB im Ausnahmezustand. Während der Verband mit Hochdruck an einer Verpflichtung von Jürgen Klopp als neuem Bundestrainer arbeitet, tritt Philipp Lahm vehement auf die Bremse. Der Weltmeister von 2014 verlangt eine fundamentale Aufarbeitung der strukturellen Probleme, bevor die sportliche Leitung neu besetzt wird.

Jürgen Klopp als designierter Heilsbringer

Knapp drei Jahre stand Julian Nagelsmann an der Seitenlinie, ehe er nach dem enttäuschenden WM-Aus seiner Mannschaft die Konsequenzen zog. Der Deutsche Fußball-Bund hat seinen Wunschkandidaten für den Neuanfang bereits identifiziert: Jürgen Klopp soll die DFB-Elf zurück in die Weltspitze führen. Der 59-Jährige, der das Turnier aktuell als TV-Experte begleitet, steht allerdings als Global Head of Soccer bei Red Bull unter Vertrag. Der Verband muss folglich erst eine Einigung mit dem Konzern erzielen, um den Weg für den ehemaligen Erfolgstrainer des BVB und FC Liverpool frei zu machen.

Passend zum Thema

Lahm mahnt: Strukturelle Analyse vor Personalentscheidungen

Für Philipp Lahm ist ein bloßer Wechsel auf der Trainerbank jedoch zu kurz gedacht. In seiner aktuellen kicker-Kolumne äußert der ehemalige Weltklasse-Rechtsverteidiger offene Bedenken an einem personellen Schnellschuss. Ob der gebürtige Stuttgarter tatsächlich die Ideallösung sei, müsse sich erst noch zeigen. Viel entscheidender sei für den Ex-Münchner eine ehrliche, tiefgehende Bestandsaufnahme. Der DFB müsse schonungslos klären, woran die Nationalmannschaft seit mehreren Turnieren scheitert und wo die sportlichen Defizite im Detail liegen.

Die deutsche Auswahl sei das wichtigste sportliche Aushängeschild des Landes, weshalb die Öffentlichkeit eine klare Perspektive erwarte. Klopp könne durch seine charismatische Art zweifellos eine neue Aufbruchstimmung erzeugen und Mannschaften zu einer verschworenen Einheit formen. Dennoch pocht Lahm darauf, dass sich die grundlegende Fußball-Idee in Deutschland verändern muss. Dieser Prozess könne nicht in wenigen Tagen abgeschlossen werden und müsse den Horizont weit über die kommende Weltmeisterschaft hinaus erweitern.

Welche Rolle spielt Rudi Völler beim Neuaufbau?

Ein zentraler Baustein in diesem Umbruch bleibt Rudi Völler, der dem Verband als Sportdirektor erhalten bleibt. Lahm bewertet diese sportliche Kontinuität grundsätzlich positiv, knüpft sie aber an klare Forderungen. Der 42-Jährige sieht den erfahrenen Funktionär in der Pflicht, nach außen nicht nur als harmoniebedürftiger Beschützer der Mannschaft aufzutreten. Vielmehr müsse Völler als starker Gegenpart agieren, der auch unbequeme Diskussionen mit dem zukünftigen Trainer führt und alternative Sichtweisen einbringt. Nur durch diesen konstruktiven Austausch könne der dringend benötigte DFB-Kurswechsel nachhaltig gelingen.

Verwandte Beiträge

Warum Sportwetten-Magazin vertrauen?