Spanier erhält Vertrag bis 2028

Bei Eintracht Frankfurt beginnt heute eine neue Zeitrechnung. Was sich schon längere Zeit abgezeichnet hatte, ist seit Freitag offiziell: Albert Riera hat bei den Hessen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028 unterschrieben. Der 43-jährige Spanier kommt vom slowenischen Meister NK Celje, der für den Trainer noch eine Ablöse im niedrigen einstelligen Millionenbereich erhält.

Sein letztes Spiel für die Slowenen, bei dem Riera auf eigenen Wunsch noch einmal an der Seitenlinie stand, endete am Sonntag mit einem späten Dämpfer. Der Ausgleich zum 3:3 für den Gegner aus Maribor fiel erst in der Nachspielzeit. Immerhin hielt Celje den Verfolger damit weiter auf Distanz.

Riera muss verunsicherte Hintermannschaft stabilisieren

Riera übernimmt mit der SGE eine Mannschaft im sportlichen Tief. Seit acht Pflichtspielen wartet die Eintracht auf einen Sieg, in diesem Zeitraum kassierte sie 21 Gegentore. In der Bundesliga stehen nach 20 Spieltagen bereits 45 Gegentreffer zu Buche – gemeinsam mit Schlusslicht Heidenheim der Negativwert der Liga.

Sportvorstand Markus Krösche begründete die Trainerwahl mit Rieras Profil: Er stehe für „modernen, intensiven und offensiven Fußball“, verfüge über internationale Erfahrung und eine klare Spielidee. In den Gesprächen habe der Spanier mit fachlicher Tiefe und deutlicher Kommunikation überzeugt.

Abschied von Toppmöller nach Negativserie

Der Trainerwechsel war die Konsequenz einer anhaltenden Negativentwicklung unter Dino Toppmöller, der am 18. Januar nach dem 3:3 gegen Werder Bremen freigestellt wurde. Leicht fiel der sportlichen Führung die Entscheidung nicht: In der Saison 2024/25 hatte die Eintracht unter Toppmöller mit Platz drei und 60 Punkten ihre beste Bundesliga-Spielzeit seit 1992/93 abgeschlossen und sich direkt für die Champions League qualifiziert. Entsprechend hoch waren die Erwartungen für diese Saison.

Ausschlaggebend für die Trainerentlassung war letztlich die Anfälligkeit der Frankfurter Defensive. In den darauffolgenden Partien gegen Hoffenheim, Qarabag Agdam und Bayer Leverkusen, die jeweils deutlich verloren gingen, wurde die Mannschaft interimsweise von Dennis Schmitt und Eintracht-Legende Alex Meier betreut.

Riera gilt als temperamentvoll

Als Spieler bringt Riera reichlich internationale Erfahrung auf Top-Niveau mit. Der frühere Mittelfeldakteur absolvierte mehr als 400 Pflichtspiele für Klubs wie Liverpool, Manchester City und Galatasaray.

Seine größten Erfolge als Trainer feierte Riera in Slowenien. Mit Olimpija Ljubljana gewann er 2022/23 das Double und beendete damit nach Jahren des Misserfolgs in der slowenischen Hauptstadt die Dominanz von Rekordmeister NK Maribor. Mit NK Celje holte er 2025 überraschend Meisterschaft und Pokal und führte das Team bis zu seinem Abschied mit deutlichem Vorsprung an der Tabellenspitze.

In Frankreich blieb Riera, der als autoritärer Übungsleiter gilt, hingegen nicht unumstritten. Seine Zeit bei Girondins Bordeaux verlief unruhig und war von Kontroversen begleitet. Nach einer 1:2-Niederlage gegen AS Saint-Étienne im April 2024 wurde ihm vorgeworfen, einem gegnerischen Spieler im Kabinengang eine Ohrfeige verpasst zu haben. Bordeaux dementierte die Anschuldigungen, Riera selbst reagierte ausweichend: „Was auf dem Platz passiert, bleibt auf dem Platz. Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas.“

Sein Auftreten sorgte auch darüber hinaus für Kritik. Der französische Journalist Hanif Berkane bezeichnete Riera als „sehr arroganten Trainer“, der wiederholt aneckte. Noch deutlicher wurde sein Vorgänger David Guion: „Ich habe noch nie einen Trainer gesehen, der so respektlos gegenüber seinen Kollegen ist.“

Mutige Trainerwahl von Krösche

Nun also Frankfurt. Dass die Wahl auf Albert Riera fiel, ist für Markus Krösche auch ein bewusst eingegangenes Risiko. Nach einer langen Phase, in der dem Sportvorstand der Eintracht nahezu jeder Schritt gelang, entschied er sich gegen eine naheliegende, bundesliga-erprobte Lösung wie Marco Rose. Stattdessen setzt Krösche auf einen in Deutschland bislang unerprobten TrainerTrainer mit Ecken und Kanten.

Sein Bundesliga-Debüt gibt Riera am kommenden Freitag bei Union Berlin. Zuvor bleibt ihm eine komplette Trainingswoche, um seine Ideen zu vermitteln.

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