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Nach der erfolgreichen WM-Generalprobe gegen die USA hat Bundestrainer Julian Nagelsmann deutliche Lehren aus dem Zustand seiner Mannschaft gezogen. Während die deutsche Nationalmannschaft mit einem neuen Turnierformat konfrontiert wird, bereiten formschwache Offensivstars, verletzungsbedingte Ausfälle und eine zunehmend brisante Torwart-Debatte kurz vor dem Turnierstart große Sorgen.

Offensive im Formtief: Musiala und Wirtz suchen sich selbst

Die kreative Abteilung des DFB-Teams präsentiert sich aktuell als größte Baustelle. Florian Wirtz wirkt nach einem Jahr beim FC Liverpool völlig aus dem Konzept gebracht. Dem ehemals so spielfreudigen Mittelfeldmann fehlt spürbar das Selbstvertrauen für seine charakteristischen Aktionen. Ähnlich besorgniserregend ist die Situation bei Jamal Musiala. Fünf Monate nach seiner schweren Verletzung und trotz mittlerweile 26 absolvierter Pflichtspiele hat der Bayern-Star nicht zu seiner alten Stärke zurückgefunden. Der einstige Ausnahmekönner, der sich mühelos durch mehrere Gegenspieler dribbelte, agiert derzeit eher wie ein grundsolider Bundesligaspieler, ist von seinem einstigen Marktwert und Einfluss auf das Spiel aber weit entfernt.

Auch auf den Außenbahnen hakt es gewaltig. Serge Gnabry fehlt die nötige Fitness, und Leroy Sané lieferte gegen die USA eine von Ballverlusten geprägte Leistung ab. Sein glücklicher Treffer, bei dem er den Ball blind aufs Tor hämmerte, verhinderte nur knapp eine neue Grundsatzdiskussion um seine Rolle im Team. Erschwerend kommt hinzu, dass mit Karl die fest eingeplante Kreativzentrale der Mannschaft verletzungsbedingt komplett weggebrochen ist.

Lichtblicke in der Defensive und im Sturm

Trotz der spielerischen Defizite im Aufbau gibt es auch positive Erkenntnisse. Deniz Undav präsentiert sich in starker Verfassung, agiert als wuchtiger Vollstrecker vor dem gegnerischen Tor, leidet jedoch unter den fehlenden Vorlagen der formschwachen Spielmacher. Kai Havertz überzeugt derweil durch hohe Spielintelligenz und gute Form, auch wenn er nicht der klassische Stürmertyp ist, der Tore am Fließband produziert. In der Defensive holte sich Jonathan Tah ein Sonderlob ab: Der Innenverteidiger agierte äußerst konsequent und bot einen wichtigen Rückhalt.

Torwart-Debatte: Neuer-Nominierung droht zur Farce zu werden

Ein massives Fragezeichen steht hinter der Personalie Manuel Neuer. Dass der Bundestrainer dem erfahrenen Schlussmann den Vorzug als Nummer eins gibt, gilt sportlich als vertretbar. Doch die mangelhafte Kommunikation und die Tatsache, dass Neuer aufgrund einer Wadenverletzung kein einziges Vorbereitungsspiel mit der Mannschaft absolvieren konnte, lassen die Situation zunehmend zur Farce werden. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Schwere der Verletzung bei der offiziellen Nominierung unterschätzt oder gar vertuscht wurde. Da Neuer einen sehr speziellen, mitspielenden Torwart-Stil pflegt, fehlt nun die extrem wichtige Abstimmung mit der teilweise neu formierten defensiven Reihe.

Prognose: Ist im Achtelfinale gegen Frankreich Schluss?

Mit Blick auf den Turnierverlauf zeigt sich ein gemischtes Bild. Das Überstehen der Gruppenphase gilt durch das neue Format, bei dem auch zwei Drittel der Gruppendritten weiterkommen, als absolute Pflichtaufgabe. Zieht die deutsche Auswahl als Gruppenerster in die K.o.-Phase ein, wartet im Sechzehntelfinale voraussichtlich eine machbare Aufgabe. Die sportliche Realität und die aktuellen Formschwächen lassen jedoch vermuten, dass für das DFB-Team spätestens im Achtelfinale gegen einen Hochkaräter wie Frankreich das Endstation erreicht sein dürfte.

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