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Die FIFA hat sich bei der Preisgestaltung für die Weltmeisterschaft 2026 offenbar gravierend verkalkuliert. Trotz angeblicher Rekord-Nachfrage im Vorfeld der Endrunde bleiben bei weniger attraktiven Begegnungen Tausende Plätze auf den Tribünen leer. Zu hohe Preise und ein umstrittenes System auf dem Zweitmarkt sorgen für massiven Unmut unter den Fans.

Infantinos Super-Bowl-Versprechen bröckelt

Noch im Februar tönte FIFA-Präsident Gianni Infantino vollmundig: „Jedes Spiel ist ausverkauft.“ Der Chef des Weltverbandes verglich die 104 Partien der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada kurzerhand mit „104 Super Bowls“. Die offizielle Lesart lautete: Auf die rund sieben Millionen verfügbaren Tickets seien über 500 Millionen Anfragen gekommen. Doch die Realität in den Stadien zeichnet ein anderes Bild. Bereits beim Vorrundenspiel zwischen Südkorea und Tschechien in Guadalajara blieben sichtbare Lücken auf den Rängen. Obwohl das Stadion 48.000 Zuschauern Platz bietet, vermeldete die FIFA lediglich eine Auslastung von knapp 45.000 Besuchern.

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Experte kritisiert das dynamische Preissystem

Besonders bei Begegnungen der kleineren Nationen offenbart das Ticketing-System deutliche Schwächen. Für Partien wie Saudi-Arabien gegen Kap Verde oder Österreich gegen Jordanien sind noch massenhaft Eintrittskarten verfügbar. Der Wirtschaftswissenschaftler Florian Ederer von der Boston University analysiert den Markt seit Monaten und sieht den Fehler klar beim Weltverband. „Die Preise waren sehr hoch und sind auch weiterhin relativ hoch“, erklärt Ederer gegenüber der Sportschau. Das Problem liege im sogenannten Dynamic Pricing, bei dem die Kosten je nach Nachfrage steigen, aber fast nie nach unten korrigiert werden. Die logische Konsequenz: Der Verkauf stagniert.

Zweitmarkt weckt Erinnerungen an das Klub-WM-Fiasko

Das aktuelle Szenario erinnert fatal an die jüngste Klub-WM, bei der Tickets im Halbfinale zwischen Chelsea und Fluminense mangels Interesse auf 9 Euro verramscht werden mussten. Um ein ähnliches Fiasko bei ihrem Vorzeigeturnier zu verhindern, betreibt die FIFA nun eine eigene Wiederverkaufsplattform, die jedoch saftige 15 Prozent Gebühr von Käufer und Verkäufer einbehält.

Die Quittung für diese Preispolitik zeigt sich auf legalen US-Ticketbörsen wie Seatgeek. Dort tauchen massenhaft WM-Karten zu Preisen auf, die deutlich unter dem offiziellen FIFA-Kurs liegen. Besonders brisant: Auffällig oft werden ganze Sitzreihen am Stück angeboten. Dies lässt darauf schließen, dass hier nicht nur verhinderte Privatpersonen ihre Tickets abstoßen. Experten wie Ederer vermuten gar ein systematisches Vorgehen, bei dem möglicherweise eigene Kontingente auf den Zweitmarkt geschleust werden, um die offizielle Preisstruktur nicht nach unten anpassen zu müssen.

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