Die Olympischen Winterspiele in Italien zeigen einmal mehr, wie eng Triumph und Tragödie im Spitzensport beieinanderliegen. Während Bob-Pilot Johannes Lochner dem massiven Stress standhielt und seine Karriere mit der Goldmedaille krönte, brachen für andere Athleten Welten zusammen. Biathletin Franziska Preuß und Eiskunstlauf-Wunderkind Ilia Malinin kämpfen derzeit offen mit der enormen mentalen Belastung, die der größte Sportwettbewerb der Welt mit sich bringt.

Letzte Chance für Franziska Preuß nach Staffel-Drama

Für Franziska Preuß haben die Spiele in Italien eine besondere Brisanz: Es sind die letzten ihrer Laufbahn. Die 31-Jährige wird ihre Karriere nach dieser Saison beenden, doch das ersehnte Einzel-Edelmetall fehlt bislang. Besonders bitter verlief der jüngste Auftritt in der Staffel. Nach einer Strafrunde und dem daraus resultierenden medaillenlosen Ausgang verließ die erfahrene Skijägerin die Biathlon-Arena wortlos – ein Bild, das die Enttäuschung greifbar machte.

Doch eine Gelegenheit zur Wiedergutmachung bleibt der Bayerin noch. Am Samstag um 14.15 Uhr startet Preuß im Massenstart. Es ist die allerletzte Chance, sich den Traum einer olympischen Einzelmedaille zu erfüllen, bevor sie das Gewehr endgültig an den Nagel hängt.

Eiskunstlauf-Star Malinin: Wenn die Favoritenrolle lähmt

Ein anderes Gesicht des olympischen Drucks zeigt der Fall von Ilia Malinin. Der US-Amerikaner galt als unschlagbar, nachdem er über zwei Jahre lang jeden Wettbewerb dominiert hatte. Doch ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt stürzte der Top-Favorit auf den achten Platz ab. In der Kür geriet er mehrfach ins Straucheln und wirkte wie ausgewechselt.

Im US-Fernsehen gab Malinin nun einen seltenen Einblick in sein Seelenleben. "Es war zu viel", gestand der Eiskunstläufer gegenüber NBC. Die Rolle als sichere Goldhoffnung und der mediale Fokus seien eine Last gewesen, der er mental nicht gewachsen war. "Es lastet einfach so viel auf dir, so viele Augen sind auf dich gerichtet", erklärte der 21-Jährige seinen Leistungseinbruch.

Experten-Analyse: Warum Olympia anders ist

Dass selbst gestandene Weltmeister bei Olympia nerven, ist kein Zufall. Marion Sulprizio, Psychologin an der Deutschen Sporthochschule Köln, verweist auf den einzigartigen Charakter der Spiele. Anders als bei Weltmeisterschaften, die in Wintersportarten oft alle zwei Jahre stattfinden, bietet Olympia ein deutlich kleineres Zeitfenster für Ruhm.

"Das Zeitfenster ist der erste Faktor, der es natürlich besonders macht. Für viele Athletinnen und Athleten ist es die vielleicht einzige Möglichkeit im Leben", so Sulprizio. Hinzu kommt die "Fallhöhe", die bei zuvor ungeschlagenen Athleten wie Malinin besonders hoch ist. Der Umgang mit diesem Stress entscheidet am Ende oft mehr über Gold und Silber als die rein körperliche Verfassung – wie Johannes Lochner eindrucksvoll bewiesen hat.

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