Philipp Raimund hat bei den Olympischen Winterspielen für eine der größten Überraschungen aus deutscher Sicht gesorgt. Der 25-jährige Skispringer sicherte sich sensationell die Goldmedaille auf der Normalschanze. Nun gab der DSV-Adler offene Einblicke in die dramatischen Minuten der Entscheidung und die surreale Nacht nach seinem bisher größten Triumph.

Bange Sekunden bis zur Gold-Gewissheit

Dass sein entscheidender Sprung medaillenwürdig war, spürte Raimund sofort nach der Landung. Doch die endgültige Platzierung blieb zunächst ein Nervenspiel. Gegenüber der Sport Bild beschrieb der gebürtige Oberstdorfer die quälende Wartezeit im Auslauf: „Die grüne Linie hatte ich zwar übersprungen, aber manchmal wechseln die Windpunkte noch während man in der Luft ist.“

Der Blick auf die Anzeigetafel wurde zur Geduldsprobe. „Ich starrte also auf den Bildschirm und sah die Wiederholung meines Sprungs. 45 lange Sekunden – die sich wie eine Ewigkeit anfühlten“, so der frischgebackene Olympiasieger. Als schließlich die „1“ neben seinem Namen aufleuchtete, brachen alle Dämme: „Ich musste einfach schreien.“

Vom Weltcup-Jäger zum Olympiasieger

Der Sieg kommt durchaus unerwartet. Zwar absolvierte der DSV-Athlet seine bis dato beste Saison, doch ein Sieg auf Weltcup-Ebene war ihm zuvor noch nie gelungen. Dass der Knoten ausgerechnet beim wichtigsten Event des Jahres platzte, wirkte auf Raimund beinahe unwirklich.

„Nach meiner bisher besten Saison hatte ich ehrlich gesagt auf eine Medaille gehofft“, gab er zu. „Gold aber dann wirklich um den Hals zu haben war irgendwie surreal. Begreifen, dass dieses 500 Gramm schwere Ding wirklich echt ist, dauerte auch einige Stunden – und das, obwohl ich die Medaille den ganzen Abend in meiner Hand hielt.“

Schlaflose Nacht und Weltcup am Kulm

Die Euphorie forderte jedoch ihren körperlichen Tribut. Nachdem die enorme Anspannung des Wettkampfes abgefallen war, meldete sich der Körper des 25-Jährigen. „Mein Kopf spielte verrückt, und als die Anspannung ging, tat der Körper nur noch weh“, berichtete Raimund. An erholsamen Schlaf war kaum zu denken: „Am Morgen danach hatte ich keine sieben Stunden geschlafen.“

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt dem Überraschungssieger nicht. Der Weltcup-Zirkus zieht direkt weiter nach Österreich. Ab Samstag stehen die Wettbewerbe am Kulm auf dem Programm. Raimund reist als aktuell bester Deutscher im Gesamtklassement an – er belegt dort derzeit den sechsten Rang und will seinen olympischen Schwung nutzen, um sich in der Weltspitze weiter festzusetzen.

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