Bayer 04 Leverkusen hat sich trotz eines mageren Unentschiedens gegen Olympiakos Piräus in das Achtelfinale der Champions League gezittert. Doch der sportliche Erfolg kann nicht über die aktuellen Probleme hinwegtäuschen: Der neu formierten Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand mangelt es derzeit an Tempo, Führungsstärke und der nötigen Intensität.

Weiterkommen ohne Glanz gegen Piräus

Das Ergebnis stimmte, die Leistung jedoch kaum. Mit einem 0:0 im Playoff-Rückspiel gegen Olympiakos Piräus sicherte sich die Werkself das Ticket für die Runde der letzten 16 in der Königsklasse. Anders als etwa Borussia Dortmund gelang den Rheinländern damit der Sprung in die nächste Runde, doch Euphorie wollte nach dem Schlusspfiff nicht aufkommen. Die Selbsterkenntnis in der Mixed Zone war ernüchternd ehrlich.

„Es war alles viel zu behäbig“, bilanzierte Kapitän Robert Andrich treffend. Auch die sportliche Führung verschloss die Augen nicht vor der Realität. Auf seine eigene rhetorische Frage, ob die Mannschaft besser spielen könne, antwortete Sportdirektor Simon Rolfes direkt und trocken: „Ja, können wir.“ Diese nüchterne Analyse zeigt, dass der Anspruch in Leverkusen und die aktuelle Realität auf dem Platz derzeit weit auseinanderklaffen.

Der Schatten der Alonso-Ära

Die aktuellen Leistungsschwankungen kommen nicht von ungefähr. Vor Saisonbeginn wurde der Kader mit 16 Neuzugängen komplett umgekrempelt. Das Team unter dem dänischen Übungsleiter Kasper Hjulmand ist jung und hochtalentiert, wirkt in kritischen Phasen jedoch oft verspielt und instabil. Es fehlt eine klare Hierarchie auf dem Rasen, wie sie noch unter Meister-Trainer Xabi Alonso herrschte.

Viele Anhänger blicken wehmütig auf die Zeiten zurück, als Granit Xhaka im zentralen Mittelfeld den Takt vorgab. Der Schweizer Nationalspieler fungierte als aggressiver Leader, der seine Mitspieler mitriss und taktische Disziplin einforderte. Genau dieser Typus – ein verlängerter Arm des Trainers, der bei Bedarf auch laut wird – scheint der aktuellen Formation zu fehlen. Hjulmand betont indes gebetsmühlenartig den laufenden „Findungsprozess“ seiner Schützlinge: „Wir müssen uns weiter verbessern.“

Statistische Dominanz ohne Ertrag

Ein Blick auf die Daten offenbart das Paradoxon des aktuellen Leverkusener Spiels. Rein technisch bewegt sich der Bundesligist weiterhin auf Top-Niveau. Mit durchschnittlich 58 Prozent Ballbesitz und einer Passquote von 89,5 Prozent liegt die Werkself in diesen Metriken direkt hinter dem FC Bayern München auf Rang zwei der Liga.

Das Problem liegt in der Umsetzung dieser Überlegenheit: Dem Ballbesitz fehlt die Dynamik. Beobachter kritisieren, dass Spiele oft ereignislos dahinplätschern, ohne dass der Gegner durch Tempo oder körperliche Wucht unter Druck gesetzt wird. Die unter Alonso kultivierte Mischung aus technischer Finesse und gnadenloser Intensität ist einer gewissen Lethargie gewichen. Um in der Champions League und der Bundesliga dauerhaft bestehen zu können, muss Hjulmand schnellstmöglich die Balance zwischen Ballkontrolle und jener Aggressivität finden, die Bayer 04 in der Vergangenheit so stark gemacht hat.

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