Joshua Kimmich und Michael Olise vom FC Bayern München fehlen nach dem deutlichen Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League im Rückspiel gesperrt. Doch das auffällige Zeitspiel des Duos beim 6:1-Sieg gegen Atalanta Bergamo könnte ein Nachspiel haben: Die UEFA prüft bei offensichtlich absichtlichen Verwarnungen harte Sanktionen.

Verdacht auf Absicht: Gelbe Karten mit Kalkül?

Nach der dominanten Vorstellung in Norditalien stand bei den Münchnern nicht nur das sportliche Feuerwerk im Fokus, sondern auch die Schlussphase der Partie. Sowohl der französische Flügelstürmer Michael Olise als auch der deutsche Nationalspieler Joshua Kimmich holten sich wegen extremen Zeitspiels die Gelbe Karte ab. Olise ließ sich bei einem Eckball in der 77. Minute aufreizend viel Zeit, Kimmich tat es ihm kurz vor Schluss bei einem Freistoß am Mittelkreis gleich.

Das Resultat: Beide Akteure kassierten ihre jeweils dritte Verwarnung in der laufenden Königsklassen-Saison und sind für das Rückspiel in München gesperrt. Angesichts des komfortablen 6:1-Vorsprungs ist das sportlich zu verkraften. Viel entscheidender ist der Nebeneffekt: In einem potenziellen Viertelfinale gegen Schwergewichte wie Real Madrid oder Manchester City wären beide Leistungsträger wieder völlig unbelastet. Diese auffällig günstige Konstellation lässt schnell den Verdacht aufkommen, dass der Rekordmeister hier taktisch klug, aber regeltechnisch heikel agiert hat.

Reaktionen beim Rekordmeister: Ein Lächeln und knappe Worte

Auf die Aktionen angesprochen, konnte sich Kimmich in den Katakomben von Bergamo ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. Der Defensivstratege wies den Vorwurf des Kalküls jedoch zurück. Er habe schlichtweg zu lange gebraucht, da er den Ball nicht direkt in das gegnerische Pressing spielen wollte. Die Quittung sei nun, dass er im Rückspiel zuschauen müsse.

Auch die sportliche Führung der Bayern hielt sich bedeckt. Sportvorstand Max Eberl kommentierte die Szene trocken mit dem Verweis auf die logische Konsequenz einer dritten Gelben Karte. Trainer Vincent Kompany wollte sich auf das Thema gar nicht erst einlassen und verwies lieber auf die herausragende sportliche Leistung seiner Mannschaft. Einzig Innenverteidiger Dayot Upamecano, der ebenfalls vorbelastet in die Partie gegangen war, holte sich keinen gelben Karton ab und muss im Rückspiel weiterhin aufpassen.

Das UEFA-Reglement: Droht der Fall Ramos?

Auch wenn die Münchner Verantwortlichen betonen, dass eine Gelbe Karte wegen Zeitspiels nichts Strafbares sei, könnte der europäische Fußballverband eine andere Sichtweise vertreten. Die Regularien der UEFA sind in diesem Punkt eindeutig: Artikel 15 der Disziplinarordnung besagt, dass Spieler, die sich offensichtlich absichtlich eine Verwarnung einhandeln, mit einer zusätzlichen Sperre bestraft werden können.

Ein prominentes Beispiel aus der Vergangenheit ist Sergio Ramos, der 2019 im Trikot von Real Madrid eine absichtliche Gelbe Karte im Achtelfinale provozierte und daraufhin von der UEFA für ein weiteres Spiel aus dem Verkehr gezogen wurde. Sollte der Verband bei Kimmich und Olise ein ähnliches Muster erkennen und Ermittlungen einleiten, droht beiden Stars ein Ausfall im so wichtigen Viertelfinal-Hinspiel. Aus dem vermeintlich cleveren Schachzug würde dann ein empfindlicher Rückschlag für die Titelambitionen der Bayern werden.

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