Das Rätselraten um Manuel Neuers Vorstoß für einen schnelleren Fußball hat ein Ende: Der Kapitän des FC Bayern München plädiert für eine strikte Zeitbegrenzung bei Abstößen und Eckbällen, um das unsportliche Zeitspiel drastisch zu reduzieren. In einem ausführlichen Interview mit France Football kurz vor seinem 40. Geburtstag äußerte der Weltmeister von 2014 konkrete Vorschläge, wie der Spielfluss in der Bundesliga und im internationalen Geschäft verbessert werden könnte.

Kampf dem Zeitspiel: Neuers Vision für mehr Tempo

Der 39-Jährige hat genug von den ständigen Verzögerungen, die den modernen Fußball plagen. „Ich würde mir eine Zeitbegrenzung für Abstöße und Eckbälle wünschen, ähnlich der Acht-Sekunden-Regel für Einwürfe“, erklärte der Routinier deutlich. Sein konkreter Ansatz: Nach Ablauf einer bestimmten Frist – Neuer bringt hier zehn Sekunden ins Spiel – sollte der Ballbesitz wechseln oder eine Strafe erfolgen.

„Zeitspiel stört den Spielfluss. Zu oft verschwenden Mannschaften viel Zeit mit Freistößen“, monierte der Keeper. Besonders bei Auswärtsspielen sei ihm ein Dorn im Auge, dass plötzlich keine Balljungen mehr verfügbar seien, wenn die Heimmannschaft führt. Auch hier liefert der Münchner Schlussmann eine pragmatische Lösung: „Man könnte sich auch Hütchen mit Bällen neben dem Tor vorstellen.“ Interessanterweise rennt Neuer damit offene Türen ein: Laut Berichten von The Athletic erwägt das IFAB (International Football Association Board) bereits eine generelle 30-Sekunden-Grenze für ruhende Bälle.

Feldspieler-Karriere? Das traut sich der „Sweeper Keeper“ zu

Neben den Regelvorschlägen blickte der 540-fache Bundesliga-Profi auch auf sein eigenes Spielverständnis zurück. Dass Neuer das Torwartspiel als „elfter Feldspieler“ revolutioniert hat, ist unbestritten. Doch der Ex-Schalker ist überzeugt, dass er auch ohne Handschuhe im Profifußball bestanden hätte.

„In einer ballbesitzorientierten Mannschaft in der 3. Liga zum Beispiel wäre das möglich gewesen“, ist sich der mehrmalige Welttorhüter sicher. Zwar hätte ihm für die absolute Spitze vielleicht die Endgeschwindigkeit gefehlt, doch taktisch und technisch sieht er sich auf der Höhe: „Vielleicht wäre ich Innenverteidiger oder Sechser vor der Abwehr, so ähnlich wie Javi Martinez, gewesen.“ Seinen potenziellen Nachfolgern rät er daher dringend zur Beidfüßigkeit: „Sagt nicht: ‚Ich spiele nur mit dem rechten Fuß.‘ Heutzutage muss man beidfüßig spielen können.“

Der Fluch der eigenen Weltklasse

Trotz seiner immensen Erfahrung und Erfolge hadert Manuel Neuer gelegentlich mit der Bewertung seiner aktuellen Leistungen. Die Messlatte, die er selbst über Jahre in die Höhe geschraubt hat, wird ihm nun manchmal zum Verhängnis. „Ich weiß, dass immer viel von mir erwartet wird“, gab der Torwart zu bedenken. Selbst nach objektiv guten Auftritten heiße es oft nur, es sei ein „durchschnittliches Spiel“ gewesen. Diese verzerrte Wahrnehmung macht es für den Bayern-Star manchmal schwer, die öffentliche Kritik nachzuvollziehen – besonders in einer Phase, in der sein Vertrag im Sommer ausläuft und die Diskussionen um seine Zukunft Fahrt aufnehmen.

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