Bundestrainer Julian Nagelsmann hat mit großem Respekt auf das öffentliche Coming-out von Christian Dobrick reagiert. Der U19-Trainer des FC St. Pauli hatte zuvor seine Homosexualität öffentlich gemacht. Für den DFB-Coach ist dieser Schritt nicht nur ein Zeichen von enormem Mut, sondern auch ein längst überfälliger Weckruf für die Kultur im Profifußball.

Ein Befreiungsschlag für die Lebensqualität

Im exklusiven Interview fand der DFB-Coach deutliche Worte und zog dabei auch Vergleiche zu seinem privaten Umfeld. Aus Gesprächen mit homosexuellen Freunden wisse der Nationaltrainer genau, welche emotionale Last ein Versteckspiel über Jahre hinweg bedeuten kann. Das Gefühl, die eigene Identität nicht ausleben zu dürfen, beschrieb er als pure Qual. Umso mehr freut sich der Übungsleiter nun für den Nachwuchscoach der Kiezkicker: Der Schritt an die Öffentlichkeit sei eine gewaltige Befreiung, die spürbar mehr Lebensqualität mit sich bringe.

Sehnsucht nach Normalität im Fußball

Gleichzeitig übte der Trainer der deutschen Nationalmannschaft leise Kritik an den bestehenden Strukturen innerhalb der Fußballwelt. Während Homosexualität in weiten Teilen der Gesellschaft erfreulicherweise fest verankert sei, hinke der Profisport hier noch spürbar hinterher. Es sei äußerst bedauerlich, dass ein Coming-out heutzutage überhaupt noch Schlagzeilen generiere und intensiv diskutiert werden müsse.

Dennoch sieht er in mutigen Vorreitern wie dem Hamburger Nachwuchstrainer den Schlüssel zur Veränderung. Der Bundestrainer hofft inständig, dass dieses Beispiel Schule macht und andere Akteure im Profisport inspiriert, bis das Thema endgültig als das behandelt wird, was es tief im Kern ist: vollkommene Normalität.

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