Thomas Müller hat die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko deutlich gedämpft. Der ehemalige Weltmeister sieht das DFB-Team aufgrund mangelnder Konstanz aktuell nur in der Außenseiterrolle. Trotz individueller Klasse fehle der Mannschaft die notwendige Stabilität, um als Top-Favorit in das Turnier zu gehen.

Mangelnde Stabilität als Hauptproblem

Für den 36-jährigen Routinier, der im Sommer 2025 vom FC Bayern München in die Major League Soccer (MLS) zu den Vancouver Whitecaps gewechselt ist, reicht das bloße Talent im Kader nicht aus. Im Gespräch mit dem kicker analysierte Müller den Status quo der Nationalelf schonungslos: "Wir haben genügend Qualität, um jede Top-Nation an einem einzelnen Tag zu schlagen. Aber ich sehe umgekehrt die Stabilität nicht, dass wir kaum zu schlagen wären."

Genau hier zieht der Offensivspieler die entscheidende Trennlinie zwischen einem Geheimtipp und einem echten Titelanwärter. "Das ist ein Unterschied: Kann ich mal jemanden schlagen oder bin ich selbst ganz schwer zu besiegen? Deshalb sind wir keiner der engeren Favoriten", so Müller weiter. Dennoch forderte er von der Mannschaft unter Bundestrainer Julian Nagelsmann das Mindset, "alles in die Waagschale zu werfen, um das Finale möglich zu machen".

Lob für Bayern-Talent Lennart Karl

Ein Spieler, der in Zukunft eine Rolle spielen könnte, ist das Bayern-Juwel Lennart Karl. Müller lobte die Fähigkeiten des Youngsters explizit, warnte jedoch vor verfrühten Lobeshymnen. "Lennart bringt einiges mit, was jeder Mannschaft guttut. Hauptsächlich, dass er die Fähigkeit hat, Tore zu erzielen", erklärte die Bayern-Ikone. Besonders Karls Mut zum Risiko in den richtigen Räumen imponiert Müller: "Er scheut sich nicht davor, dass mal ein Abschluss oder Dribbling in die Hose geht. Das ist als Offensivspieler wichtig."

Erfolgsformel: Erfahrung in der Champions League

Um langfristig wieder zur absoluten Weltspitze zu gehören, sieht Müller jedoch ein strukturelles Defizit, das behoben werden muss. Seiner Meinung nach fehlen im aktuellen deutschen Fußball die festen Größen, die auf höchstem Vereinsniveau dominieren. "Es kommen immer wieder Talente hoch, aber feste Größen in Teams, die regelmäßig im Halbfinale oder Finale der Champions League unterwegs sind und diese Erfahrung sammeln, haben wir kaum", mahnte der Ex-Münchner.

Nur wenn diese Entwicklung wieder einsetzt und Spieler Verantwortung auf der größten europäischen Bühne tragen, könne Deutschland zurück in den Kreis der "Top-3-Kandidaten auf den WM-Titel" kehren.

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