Der VfL Wolfsburg hat nach intensiven Krisengesprächen eine vorläufige Richtungsentscheidung getroffen. Trainer Daniel Bauer wird die Mannschaft auch im kommenden Heimspiel betreuen, und auch Geschäftsführer Peter Christiansen bleibt trotz massiver Kritik im Amt. Nach dem desaströsen 0:4 gegen den VfB Stuttgart hatten viele Beobachter mit sofortigen personellen Konsequenzen beim Tabelliebzehnten gerechnet.

Krisensitzung bestätigt: Galgenfrist gegen den HSV

Der Montag in der Autostadt war geprägt von Hektik und langen Diskussionen. Noch vor dem Mittagstraining zogen sich die Verantwortlichen hinter verschlossene Türen zurück. Aufsichtsratschef Sebastian Rudolph, Sportdirektor Pirmin Schwegler und Geschäftsführer Peter Christiansen beobachteten anschließend das Spielersatztraining am Rande des Übungsplatzes. Das Ergebnis der Beratungen: Daniel Bauer erhält eine wohl letzte Bewährungschance.

Im vorentscheidenden Heimspiel am kommenden Samstag gegen den Hamburger SV muss der Coach liefern. Die Wölfe taumeln dem Abstieg entgegen – seit nunmehr sieben Spielen wartet der Meister von 2009 auf einen Sieg. Dass Bauer im Amt bleibt, überrascht durchaus, nachdem der Übungsleiter am Sonntag öffentlich deutliche Kritik an den internen Abläufen und damit indirekt an seinen Vorgesetzten geübt hatte.

Peter Christiansen: Das eigene Schicksal verknüpft

Eine zentrale Rolle in diesem Machtpoker spielt Peter Christiansen. Der dänische Geschäftsführer steht selbst massiv unter Druck. Unter seiner Ägide rutschte der Klub in den letzten zwei Jahren sportlich immer weiter ab. Nachdem er bereits Trainer Paul Simonis und Sportdirektor Sebastian Schindzielorz entlassen hatte, scheint sein eigenes Schicksal eng an das von Bauer geknüpft zu sein.

Experten vermuten: Eine weitere Trainerentlassung hätte Christiansen kaum ohne die eigene Freistellung überstanden. Somit klammert sich der Däne an die Hoffnung, dass der aktuelle Trainerstab doch noch die Wende schafft und den drohenden Gang in die Zweitklassigkeit abwendet.

Rudolphs Risiko und der Schatten von Dieter Hecking

Aufsichtsratschef Sebastian Rudolph setzt in der vielleicht größten Krise der Vereinsgeschichte weiterhin auf die Politik der ruhigen Hand. Diese Kontinuität wird im Umfeld jedoch als hochriskant wahrgenommen. Während die Führungsetage offiziell an der aktuellen Konstellation festhält, werden im Hintergrund längst Alternativen geprüft.

Der Name Dieter Hecking geistert bereits als möglicher Retter durch Wolfsburg. Der Ex-Trainer gilt als erfahrener Feuerwehrmann, der den Verein und das Umfeld bestens kennt. Sollte das Heimspiel gegen den HSV misslingen, dürfte die Zeit der ruhigen Hand endgültig vorbei sein.

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