Der militärische Konflikt im Nahen Osten wirft einen dunklen Schatten auf die bevorstehende Weltmeisterschaft. Da sich die USA als einer der Gastgeber im Krieg mit dem qualifizierten Teilnehmer Iran befinden, ist die sportliche Zukunft des „Team Melli“ so ungewiss wie lange nicht mehr. Während erste Testspiele bereits der politischen Lage zum Opfer fallen, halten sich die FIFA und die Organisatoren mit definitiven Aussagen noch zurück.

FIFA und US-Organisatoren reagieren zurückhaltend

Die Situation ist delikat: Ein Gastgeberland befindet sich im direkten Konflikt mit einer teilnehmenden Nation. Mattias Grafström, Generalsekretär der FIFA, äußerte sich am Rande einer IFAB-Sitzung in Wales diplomatisch. Es sei „noch etwas zu früh, einen detaillierten Kommentar abzugeben“, so Grafström. Der Weltverband beobachte die globalen Entwicklungen jedoch genau. Die oberste Priorität bleibe ein sicherer Ablauf des Turniers für alle qualifizierten Mannschaften.

Auf amerikanischer Seite leitet Andrew Giuliani die von Ex-Präsident Donald Trump eingesetzte WM-Task-Force. Seine Reaktion auf der Plattform X fiel politisch deutlich, aber sportlich vage aus: „Morgen kümmern wir uns um Fußballspiele. Heute feiern wir die Chance auf Freiheit.“ Eine Garantie für die Teilnahme der Iraner lässt sich daraus kaum ableiten.

Skepsis im Iran: Verband pessimistisch, Spieler schweigen

Im Iran selbst herrscht Ernüchterung. Verbandspräsident Mehdi Taj dämpfte gegenüber dem Portal Varzesh3 die Erwartungen massiv: „Sicher ist, dass nach diesem Angriff nicht zu erwarten ist, dass wir hoffnungsvoll auf die WM blicken.“ Von einem offiziellen Boykott ist zwar noch keine Rede, doch der Optimismus ist verflogen.

Die aktuellen Nationalspieler hüllen sich in Schweigen – aus gutem Grund. Regimekritische Äußerungen könnten harte Sanktionen bis hin zu Haftstrafen nach sich ziehen. Anders sieht es bei Ex-Profis im Exil aus: Der ehemalige Bundesliga-Star Ali Karimi (FC Bayern, Schalke 04) begrüßte den Tod von Ali Chamenei auf Instagram offen als Schritt zur Freiheit. Karimi gilt seit Langem als prominente Stimme der Opposition.

Staatstrauer legt sportliche Vorbereitung lahm

Die sportlichen Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar. Nach dem Tod von Ali Chamenei wurde eine 40-tägige Staatstrauer angeordnet, die jegliche Teilnahme an Sportveranstaltungen untersagt. Für die iranische Nationalmannschaft hat dies drastische Folgen:

  • Keine Länderspiele im kommenden Fenster (26. bis 31. März).
  • Absage der geplanten Teilnahme an einem Turnier in Jordanien.
  • Die Testpartien gegen Nigeria und Costa Rica finden nicht statt.

Für die iranischen Fans ändert sich hingegen wenig an der ohnehin schwierigen Lage: Die USA vergeben generell keine Visa an iranische Staatsbürger. Dies betraf bereits im Dezember 2025 die Verbandsfunktionäre um Mehdi Taj, die nicht zur Gruppenauslosung einreisen konnten.

Szenario Rückzug: Wer rückt bei einem WM-Aus nach?

Sollte der Iran tatsächlich nicht antreten, stünde der Weltfußball vor einem Novum in der modernen Ära. Zuletzt verzichtete 1950 eine qualifizierte Nation auf die Endrunde. Die FIFA-Regularien sind in diesem Punkt überraschend vage formuliert. Experten gehen jedoch davon aus, dass der freie Startplatz innerhalb der Konföderation verbleiben würde. Das bedeutet: Ein asiatisches Team, das in der Qualifikation knapp scheiterte, dürfte wohl nachrücken.

Verwandte Beiträge